Als im Juni 1926 die Mitgliederversammung des Schwäbischen Albvereins beschloss, einen „Albvereinsjugendring“ zu gründen, konnte keiner ahnen, dass damit eine mittlerweile hundertjährige Erfolgsgeschichte beginnen würde – die Schwäbische Albvereinsjugend war geboren.
Aus heiterem Himmel kam der Beschluss nicht. Schon vorher gab es Jugendwanderungen im Verein – damals noch streng nach Geschlechtern getrennt. Das Schwäbische Jugendwerk, 1919 gegründet vom Schwäbischen Albverein und dem Württembergischen Schwarzwaldverein, könnte man als Vorläufer der Albvereinsjugend bezeichnen. 1926 beauftragte man die Jugendabteilung der Ortsgruppe Stuttgart, Richtlinien für Jugendabteilungen des Vereins zu erarbeiten. Ein Jahr später waren bereits 31 Jugendabteilungen aktiv.
Gleichgeschaltet – die 1930er Jahre
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderten sich auch die Rahmenbedingungen für den noch jungen Albvereinsjugendring. Der gesamte Verein mit all seinen Untergliederungen wurde gleichgeschaltet und nach dem Führerprinzip ausgerichtet. Auch die Sprache wurde im Laufe der 1930er Jahre deutlich völkischer. Am 15. Juli 1933 wurden alle Jugendgruppen aufgelöst und in die Hitlerjugend oder den Bund Deutscher Mädels überführt.
Schwieriger Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte der „Jung-Albverein“ in der amerikanischen Besatzungszone seine Arbeit wieder aufnehmen. Die Ortsgruppen in der französischen Besatzungszone hatten es deutlich schwerer, wieder Vereinsaktivitäten durchzuführen. Mit der Vereinigung der westlichen Besatzungszone nahm die Jugendarbeit Fahrt auf. 1950 gab es bereits 135, 1958 waren es schon 217 Jugendgruppen im Albverein. Viele junge Leute nahmen das Angebot gerne an und traten in den Verein ein.
Zeltlager im Jugendzentrum Fuchsfarm
Zeltlager erfreuten sich zunehmender Beliebtheit. Kinder und Jugendliche nahmen gerne an den Ferienangeboten des Albvereins teil, auch wenn vieles noch improvisiert war. Bis 1965 wechselte man für die Zeltlager die Standorte, 1964 kaufte der Albverein dann eine ehemalige Silberfuchsfarm in Albstadt-Onstmettingen. Bis heute ist die Fuchsfarm das Jugendzentrum des Vereins und „seelische Heimat“ vieler Generationen Jugendlicher seit den 1960er Jahren. Auch Kinder und Jugendliche aus anderen Regionen der Republik oder der Welt waren und sind immer willkommen – von Berliner Kindern nach dem Mauerbau und französischen Jugendlichen in den 1960ern bis zu geflüchteten syrischen Jugendlichen heute.
Professionalisierung der Jugendarbeit
Die Schwäbische Albvereinsjugend bietet Kindern und Jugendlichen nicht nur Outdoor-Sport und Gemeinschaft an, sie ist zudem schon von ihrer Struktur her ein Übungsfeld für Demokratie und ehrenamtliches Engagement. 1971 erhielt die Albvereinsjugend eine eigenständige Geschäftsstelle, was die zunehmende Professionalisierung der Arbeit wiederspiegelt.
Natur- und Klimaschutz als wichtige Themen der Jugend
„Politisch handeln ohne parteipolitisch zu sein“ ist bis heute die Maxime der Albvereinsjugend. Oft waren und sind es Naturschutzthemen, die die Jugendlichen bewegen. Bereits in den 1970 engagierte sich die Albvereinsjugend gegen Umweltverschmutzung mit dem Umweltkabarett „Mir stinkt’s“. 1987 verabschiedete die Jugendvertreterversammlung eine Resolution zu einer „umweltschonenden, sozialverträglichen und krisensicheren Energiepolitik. 2008 beschloss der Hauptausschutz auf Initiative der Jugend alle Wanderheime und die Hauptgeschäftsstelle auf ihre Energieeffizienz zu überprüfen. Heute sind es Themen wie gesunde Ernährung, umweltbewusste Beschaffung und Müllvermeidung auf Freizeiten sowie der Klimaschutz, die die Albvereinsjugend bewegen.
100 Jahre Albvereinsjugend – wie geht es weiter?
Sinkende Mitgliedszahlen, weniger Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, und viele (auch digitale) Konkurrenz-Angebote sind Herausforderungen, mit denen sich die Albvereinsjugend heute auseinandersetzen muss. Mit dem Projekt „Sichtbar im ganzen Ländle“ steuert die Jugendorganisation dagegen. Mehr Kontakte zu den Gauen und Ortsgruppen des Schwäbischen Albvereins, verstärkte Kommunikation, mehr Gestaltungsmöglichkeiten für Ehrenamtliche, eine aktive Gestaltung des Übergangs zwischen Familien- und Jugendarbeit sowie Zugehen auf neue Zielgruppen sollen der Jugendarbeit im Albverein wieder mehr Schub verleihen. Erste Schritte sind gemacht.
Danke an alle engagierten Jugendlichen, die sich hier einbringen und die Zukunft der Schwäbischen Albvereinsjugend mitgestalten!
Germar Schulte-Hunsbeck, Ute Dilg




