Der Schwäbische-Alb-Oberschwaben-Weg (HW 7) gehört zu den unbekannteren Hauptwanderwegen des Schwäbischen Albvereins. Er führt von Lorch im Remstal durch das Stauferland und das Filstal hinauf auf die Albhochfläche, quer durch Oberschwaben mit seinen Mooren bis nach Friedrichshafen am Bodensee. Martin Ruppert, begeisterter Fernwanderer und Albvereinsmitglied, ist den Weg gelaufen und berichtet von seinen Erlebnissen.
Das Notizbuch ist schon etwas „verlebt“. Der Umschlag ist verschlissen, die Seiten wellig von zu viel Feuchtigkeit. Einige gepresste Blüten und Blätter stecken in dem Büchlein – und viele Erinnerungen. Martin Ruppert führt Tagebuch auf seinen „Märschen“, wie er es nennt. Der Berufssoldat hat bereits fünf Hauptwanderwege des Schwäbischen Albvereins erwandert. Während Corona den HW 1 und den HW 2 – „um die Runde um die Schwäbische Alb voll zu machen“, sagt er. Des Weiteren die Hauptwanderwege 4, 5 und 7. Um den HW 7 soll es hier gehen.
Der Rucksack ist gepackt
Für Martin Ruppert ist Wandern ein Hobby, aber auch Therapie. Wandern hat geholfen ihm geholfen, über schwierige Erlebnisse bei Auslandseinsätzen hinwegzukommen. Jetzt lebt er wieder dauerhaft im Schönbuch und wandert einfach weiter. „Den HW 7 fand ich interessant, weil er quer über die Schwäbische Alb führt“, erzählt er, „und nicht wie HW 1 und 2 an der Albkante entlang.“ Los geht es in Lorch im Remstal. Ziel ist Friedrichshafen am Bodensee.
Den Rucksack hat er nach seiner festen Packliste gepackt, die er über die Zeit immer wieder ergänzt und überarbeitet hat. „Man lernt durch Schmerzen“, sagt der 42-Jährige. Übernachtet wird draußen in der Natur, in Schutzhütten oder unter freiem Himmel. Das Biwak-Bauen hat er schon als Kind bei den Pfadfindern gelernt. Auch dass man hinter sich aufräumt und keine Spuren in der Natur hinterlässt. Nur manchmal gönnt sich Ruppert ein Bett in einem Gasthof, Wanderheim oder Hotel.
Durch das Stauferland
Spätestens um 7 Uhr ist Ruppert auf der Strecke. Mittags wird eine Stunde gerastet. Bevor es dunkel wird, richtet er sich seinen Nachtplatz ein. 40 Kilometer am Tag schafft er so ungefähr. Die 233 Kilometer des Schwäbische-Alb-Oberschwaben-Weg, wie der HW 7 auch genannt wird, hat er in sechs Tagen bewältigt. Oder besser die real gelaufenen 254 Kilometer – ein paar Abstecher, z.B. ins Wurzacher Ried, gönnte er sich als Zugabe.
Start also in Lorch am S-Bahnhof. Dort gibt es eine Albvereins-Tafel für das erste Foto. Der erste Teil der Strecke führte Ruppert durchs Stauferland. „Die Aussicht war phänomenal“, schwärmt er. Die drei Kaiserberge prägen das Bild. Und in der Ferne zeigt sich die blaue Wand der Schwäbischen Alb.
Der HW 7 führt über den Hohenstaufen weiter bis nach Göppingen, dann durch liebliche Landschaften mit Streuobstwiesen bis nach Bad Boll. Da kommt Martin Ruppert zum ersten Mal richtig ins Schwitzen. „Der Aufstieg zum Boßler war echt heftig“, erinnert er sich. Und die Wasserflasche war zu diesem Zeitpunkt leer. „Ich bin dann quasi ins Filstal wieder runtergefallen und dort dann bei einem Feuerwehrfest eingekehrt“, grinst er. Da gab es was zu Trinken. Nach rund 50 Kilometer dann endlich Nachtruhe in einer Schutzhütte bei Wiesensteig.
Quer über die Schwäbische Alb, hinunter nach Oberschwaben
Dass die Schwäbische Alb sehr lang ist, aber dafür überhaupt nicht breit, stellte Ruppert am zweiten Wandertag fest: „Als sportlicher Mensch kann man sie quasi an einem Tag zu Fuß durchqueren.“ Es geht über die Albhochfläche vorbei an der Laichinger Tiefenhöhle und der Sontheimer Höhle ins wildromantische Bärental. Dann durch die Lutherischen Berge, eine evangelische Enklave im sonst katholischen Gebiet.
Einen längeren Eintrag im Notizbuch von Ruppert gibt es über das Wolfstal („Ganz arg toll“) und die Querung des Großen Lautertals („Da bin ich gerne.“). Der lange Weg durch Oberschwaben war dann Neuland für den Wanderer. Hinauf ging es auf den Bussen, den heiligen Berg der Region. „Es ist schon sehr höflich, dass da jemand einen Berg hingestellt hat, mit Aussicht auf die Alb und über die Ebene bis zu den Alpen“, meint Ruppert augenzwinkernd. Letztere versteckten sich allerdings im Dunst. Weiter ging es Richtung Federsee. Und dort war es nach mehreren Wandertagen Zeit für eine Dusche und ein Bett in einem Gasthof.
Den Bodensee im Blick
Die Moränenlandschaft Oberschwabens empfand Ruppert eher als „Mogelpackung“. „Man denkt immer, es geht eigentlich nur noch bergab bis zum Bodensee. Und dann kommt noch eine Steigung und noch eine Steigung.“ Da wird der Rucksack dann doch ziemlich schwer. Vom Gehrenbergturm aus ist das Ziel dann aber schon zum Greifen nah.
In Friedrichshafen warteten dann Rupperts Frau und seine vier Kinder auf den Fernwanderer. Und ein kühles Bier? „Nein“, lacht Ruppert. „Wenn ich mir was gönnen will, dann gibt es eine Cola.“ Das ist so ein Kinderheitsding – Cola hat er nämlich als Junge nie bekommen.
Lieblich, rau, reich und grün – die Landschaft am HW 7 hat viele Gesichter
Und was war jetzt am schönsten auf dem HW 7? Ruppert muss nicht lange überlegen. „Mich hat besonders beeindruckt, wie sich der Charakter der Landschaft auf einer Strecke mehrfach so sehr verändern kann.“ Vom lieblichen Filstal, wo die Felder schon abgeerntet waren, auf die karge Alb, wo das Getreide noch reif werden musste. Und von dort in das reiche und grüne Oberschwaben. „Ich bin mir vorgekommen, wie wenn ich ins Auenland laufe.“ Und schließlich dann der Bodensee mit dem Blick auf die Berge.
Ruppert macht sein Notizbüchlein wieder zu. Er hat mittlerweile mehrere davon mit Wandererlebnissen gefüllt. 2026 hat er sich den HW 9 vorgenommen, der vom Großen Heuberg in Spaichingen zum Schwarzen Grat ins Allgäu führt. Er will ihn mit seinem Sohn laufen. Nicht am Stück, sondern in einzelnen kurzen Etappen. Und 2027 soll es dann wieder alleine auf Tour gehen – auf den Main-Neckar-Rhein-Weg, 413 Kilometer von Wertheim bis nach Lörrach. In einem Rutsch. Ob da ein Notizbuch reicht?
Ute Dilg
Wandern auf dem HW 7 – wer kommt mit?
Wer jetzt Lust bekommen hat, den Schwäbische Alb-Oberschwaben-Weg (HW 7) besser kennenzulernen, der kann das zwischen März und Oktober mit dem Schwäbischen Albverein tun. Unsere erfahrenen Tourguides zeichen Euch im Rahmen von 12 Tagestouren (Strecken- und Rundwanderungen) die schönsten Passagen des Hauptwanderwegs.




























