Martin Ruppert ist weit gewandert. Fünf Hauptwanderwege des Schwäbischen Albvereins hat der 42-Jährige Familienvater aus dem Schönbuch schon bewältigt. Außerdem den Westweg im Schwarzwald und verschiedene lange Routen im europäischen Ausland. Warum geht er gerne Fernwandern? Wie bereitet er sich vor? Und warum ist er gerne alleine unterwegs? Darüber haben wir mit dem Albvereinsmitglied gesprochen.
Was reizt Sie am Fernwandern?
Ich wandere gerne in der Natur. Beim Fernwandern lernt man zudem eine Region gut kennen. Und man trifft auch immer wieder interessante und wirklich hilfsbereite Menschen. Auf dem HW5 habe ich einmal einen Herrn kennengelernt, an dessen Haus der Weg vorbeiführte. Ich wohne selber auch ganz nah am HW5. Wir waren also quasi Nachbarn, zwar 150 Kilometer voneinander entfernt, aber beide am HW5 wohnend. Das war ein total nettes Gespräch.
Wie bereiten Sie sich vor?
Für die Hautpwanderwege habe ich mich erst mal beim Schwäbischen Albverein auf der Website informiert. Danach schaue ich mir Wanderkarten an. Und zwar immer noch gerne auch gedruckte Karten. Da markiere ich mir immer wichtige Punkte wie Schutzhütten, etwaige Ausstiegsmöglichkeiten, auch Gaststätten und Friedhöfe, weil man sich da mit Wasser versorgen kann usw. und schreibe mir Entfernungsangaben in die Karte. Wenn man sich im Vorfeld gut mit der Strecke beschäftigt, dann gibt es in der Regel unterwegs keine Überraschungen. Unterwegs navigiere ich mit einem GPS-Gerät mit digitalem Kartenmaterial. Die Wanderkarte habe ich aber trotzdem für den Notfall immer dabei. Für den Rucksack habe ich Packlisten je nach Jahreszeit, die ich immer wieder überarbeite und nach denen dann der Rucksack gepackt wird. Und gute Schuhe sind wichtig!
Ihre Etappen sind ja recht lang – Sie laufen rund 40 Kilometer am Tag. Haben Sie da nicht auch mal Muskelkater?
In den Beinen eigentlich nicht. Die sind gut trainiert. Aber ich merke, dass mir mein Rucksack mittlerweile oft schwer wird. Da tun mir dann die Schultern schon weh oder ich habe Druckstellen oder kleine Wunden an der Hüfte vom Hüftgurtgurt. Da hilft Zinksalbe gut. Die habe ich immer dabei. Wahrscheinlich muss ich mir doch mal angewöhnen, etwas weniger mitzunehmen. Am Ende ist also nicht der Muskelkater ein „Showstopper“.
Wie halten Sie es mit den Pausen?
Das ist tatsächlich ein schwieriges Thema, wenn man alleine unterwegs ist. Der Körper braucht oft eine Pause, der Kopf aber nicht. Und dann geht man einfach weiter. Aber gerade bei einer Fernwanderung sind regelmäßige Pausen wichtig. Meine Lösung ist eine lange Mittagspause. Aber dazu muss ich mich wirklich zwingen. Andere finden vielleicht mehrere kürzere Pausen angenehmer. Da muss jeder seinen Rhythmus finden.
Stichwort „alleine wandern“ – was ist daran der Reiz für Sie?
Wandern ist für mich ganz wichtig für meinen Seelenfrieden. Vor allem nach einem schweren Einsatz in Afghanistan habe ich gemerkt, wie gut mir das lange Gehen getan hat, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Wer alleine wandert, muss sich mit sich selber beschäftigen, kann seine Gedanken ordnen. Ich merke in der Regel nach zwei Tagen, dass ich neue Ideen habe. Ohne Dauerberieselung, wie man sie im Alltag hat, kann man plötzlich kreativ werden. Ich habe zum Beispiel einmal in meinem Kopf ein Gartenhaus designt. Und dann nach der Rückkehr tatsächlich auch gebaut. Aber man beschäftigt sich auch mit Lebensfragen. Und das ist für die Seelenhygiene unglaublich wertvoll. Ich kann also alleine wandern nur empfehlen.
Ist es aber nicht schwierig, sich zu motivieren, wenn man über Tage alleine unterwegs ist?
Meiner Erfahrung nach, hat man kurz nach der Hälfte der Wegstrecke einen Durchhänger. Egal ob der Fernwanderweg 150 oder 300 Kilometer lang ist. Und da kommen dann schon die Gedanken, dass man doch mal einen Pausentag einlegen oder morgens mal ausschlafen könnte. Mich packt dann in der Regel doch der Stolz und ich laufe dann weiter. Auch wenn es manchmal schwerfällt. Zudem ist meine Zeit knapp. Ich habe Familie und kann mir nicht unbegrenzt frei nehmen, um alleine loszuziehen. Und am Ende bin ich glücklich, wenn ich mich überwunden habe. Ich bin noch nie am Ziel angekommen und habe gesagt, hätte ich mal besser vor vier Tagen aufgegeben. Je mehr Fernwanderwege man geht, desto stärker wird man auch mental. Ich kann nur alle ermutigen, es auch zu versuchen. Es müssen ja keine 40 Kilometer-Etappen sein. Man kann auch mit leichtem Gepäck kürzere Mehrtagestouren machen.
Noch ein Tipp für angehende Fernwanderer?
Schaut Euch Eure Heimat an. Es gibt wunderschöne Ecken hier. Man muss nicht nach Übersee fliegen, um die beste Zeit seines Lebens zu verbringen. Tolle Outdoorerlebnisse kann man auch in der Region haben.
Das Interview führte Ute Dilg, Pressereferentin Schwäbischer Albverein.


