Bei strahlendem Sonnenschein traf sich der Schwäbische Albverein am Sonntag, 14. Juni, zu seiner Hauptversammlung in Sigmaringendorf. Während in der Donau-Lauchert-Halle die Versammlung tagte, machten sich viele der angereisten Vereinsmitglieder gemeinsam auf den Weg zu drei geführten Wanderungen und einer Radtour. Bereits am Vortag gab es gut besuchte Workshops im Fahnenschwingen und Volkstanz und abends ein fröhliches Danzfescht.
Grußworte des Landrätin und des Bürgermeisters
In ihrem Grußwort dankte Landrätin Stefanie Bürkle dem Schwäbischen Albverein für seine Arbeit im Landkreis. „Dass die Schönheit unserer Landschaft zugänglich ist, verdanken wir maßgeblich dem Albverein“, betonte sie. Allein im Landkreis Sigmaringen betreut der Verein über 800 markierte Wanderwege – eine Strecke etwa von Sigmaringen bis Rostock. Auch in der Landschaftspflege seien die Ortsgruppen im Landkreis und der Gau sehr aktiv. Leider seien hier Kürzungen bei den Mitteln des Landes geplant. Bürkle nutzte die Gelegenheit zu einem Appell an die Landesregierung, von Kürzungen abzusehen, besser noch, die Mittel zu erhöhen, um die Kulturlandschaft noch besser schützen zu können.
Bürgermeister Dominik Mattes zeigte sich stolz, dass Sigmaringendorf als Gastgeber für die Hauptversammlung fungieren durfte. „Der Albverein passt perfekt zu unserer Gemeinde“, sagte er. Er bereichere das Dorfleben durch Aktionen wie die Rübengeisteraktion, die Generationen zusammenbringe und Naturerlebnisse für alle schaffe. „Solche Aktionen sind mehr als nur Punkte im Veranstaltungskalender – sie schaffen Gemeinschaft und Erinnerungen“, so Mattes weiter.
Festvortrag zum Thema Kulturlandschaften
Als Festrednerin die neue Ministerin für ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Marion Gentges, eingefunden. Sie hob in ihrer Rede, den Einsatz des Schwäbischen Albvereins beim Erhalt von Kulturlandschaften hervor. Diese seien nicht nur wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sondern auch Ausdruck von Tradition und nachhaltiger Nutzung durch den Menschen.
„Der Albverein lebt Gemeinschaft und ein Bewusstsein für Heimat und Natur“, so Gentges weiter. Sie verwies auf konkrete Erfolge wie die Erhaltung des Schopflocher Moores, das ohne das Engagement des Vereins heute nicht mehr in dieser Form existieren würde.
Wichtig sei es, das Wissen über die Bedeutung und Pflege von Kulturlandschaften weiterzugeben. „Am besten lernt man mit und beim Erleben der Natur – etwa bei Wanderungen, Führungen und Landschaftspflegeeinsätzen. All das tut der Schwäbische Albverein“, betonte Gentges, die sich selbst gerne beim Wandern inspirieren lässt. Ein Gesetz etwa, das sie einst während einer einsamen Bergtour entwickelt hatte, sei später tatsächlich als Bundesgesetz verabschiedet worden, erinnert sich die Landesministerin.
Berichte des Präsidiums und Jugendarbeit: Zukunft gestalten
Thomas Keck, der am Vortag im Hauptausschuss einstimmig zum neuen Präsidenten des Schwäbischen Albvereins gewählt worden war, berichtete der Versammlung über neue Entwicklungen im Verein. Er sieht die Notwendigkeit, den Verein durch moderne Strukturen zukunftsfähig zu machen. Teamlösungen und das Ressortprinzip im Vorstand hätten sich bereits bewährt und entlasteten die ehrenamtlichen Verantwortlichen. Außerdem soll die Geschäftsführung in Stuttgart mit mehr Entscheidungskompetenzen ausgestattet, um den Vorstand noch besser unterstützen zu können.
Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und zurückgehender öffentlicher Mittel bestehe die Notwendigkeit zur Konsolidierung, betonte Keck. Er versteht darunter nicht nur das reine Sparen – „Wir waren immer sparsam“, betonte er –, sondern durch das Entwickeln zukunftsfähiger Strukturen. Offen sein für Neues, aber auch bewährte Traditionen weiterführen, das ist ihm wichtig.
„Unsere größte Stärke und das Herz des Vereins sind die vielen tausend Ehrenamtlichen. Sie vereinen unglaublich viel Know-How in den Bereichen Wandern und Outdoorsport, Wege und Beschilderung, Naturschutz und Kulturarbeit. Dieses Engagement müssen wir viel sichtbarer machen und den Wert dieses Wissens für unsere Gesellschaft aufzeigen.“
Präsident Thomas Keck
Thomas Keck berichtete von dem schmerzhaften Verkauf des Wanderheims Rauher Stein in Irndorf. Die Sanierung wäre einfach zu teuer gewesen. Wahrscheinlich werde man sich auch von weiteren Immobilien trennen müssen. Das werde derzeit sorgfältig geprüft. Als positiv hob Keck die vielen lebendigen und aktiven Ortsgruppen hervor, die dank eines eines breiten Angebots und oft auch durch eine gelungene Familienarbeit die Mitglieder an sich binden. Diese dienten als Vorbilder für andere Ortsgruppen im Verein. „Die Ortsgruppen mit Familien- und Jugendarbeit sind in der Regel gut aufgestellt, haben weniger Probleme Ämter zu besetzen und wachsen sogar. Diese Arbeit wollen wir weiter ausbauen“, so Keck.
Hauptjugendwart Mats Thiel verwies anlässlich des 100. Geburtstags der Schwäbischen Albvereinsjugend auf die Bedeutung der Jugendarbeit als Schlüssel für die Zukunft des Vereins. „Identifikation entsteht im Erleben“, so sein Credo. Die Jugendarbeit in den Ortsgruppen sei vielfältig, doch es gelte, Kinder und Jugendliche langfristig an den Verein zu binden. Die nächste Wahl im Gesamtverein stehe bereits in drei Jahren an – ein Grund mehr, frühzeitig engagierte Nachwuchskräfte zu fördern.
Laudatio für den ehemaligen Präsidenten Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß
Präsident Thomas Keck und Vizepräsidentin Regine Erb würdigten in einer Laudatio die Leistungen ihres Vorgängers Dr. Hans-Ulrich Rauchuß, der bis Januar 2026 dem Verein vorstand. „25 Jahre hast Du Dich als Präsident für den Schwäbischen Albverein eingesetzt. Herzlichen Dank dafür! Deine Impulse wirken weiter, “ hieß es in der Laudatio. Konkret benannt wurde sein Einsatz für die Familienarbeit, das Gesundheitswandern sowie den Naturschutz.
Herzlichen Dank
an die Ortsgruppe Sigmaringendorf und den Oberer-Donau-Gau unter der Leitung Ihres Vorsitzenden Claus Bayer für die Gastfreundschaft, die Organisation der Versammlung und des Rahmenprogramms sowie die wunderbare Bewirtung bei dieser Hauptversammlung.
an den Kulturrat für das Kulturprogramm am Samstag, die Kindervolkstanzgruppe Bittelschieß, der Volkstanzgruppe Süssen und dem Musikverein Sigmaringendorf für Ihre Auftritte am Sonntag
sowie an den Fachbereich Familie und die Schwäbische Albvereinsjugend für das Kinder- und Jugendprogramm.






