Trauer um Ehrenpräsident Peter Stoll

Ehrenpräsident Peter Stoll ist am 7. Oktober 2015 verstorben. Er konnte bis zu seinem Tod in seiner Wohnung im Augustinum in Stuttgart-Sillenbuch leben und hatte dort stets die geliebte „Blaue Mauer“ der Schwäbischen Alb im Blick. Trotz jahrelanger, bewundernswert tapfer ertragener schwerer Krankheit hat er noch bis vor kurzem an Veranstaltungen teilgenommen und sich bis in seine letzten Lebenstage lebhaft für das Geschehen im Schwäbischen Albverein interessiert.

StollAm 1. April 1931 in Crailsheim geboren, wuchs er in einem Elternhaus auf, in dem Wandern und Offenheit für Natur und Landschaft gepflegt worden sind. Ab 1935 in Stuttgart, fand die Familie 1944 in Kirchheim unter Teck ein neues Zuhause. Hier ist die Verbundenheit, die Liebe zur Schwäbischen Alb entstanden, und es war angesichts des Berufs des Vaters – Oberlandforstmeister – kein Zufall, dass er das Studium der Forstwissenschaft absolvierte und Forstmann wurde.

Aus seiner forstlichen Laufbahn seien die Stationen Forstamt Langenau und Forstdirektion Tübingen erwähnt. Als Forstamtsleiter in Langenau ab 1967 hatte sich Peter Stoll der naturnahen Waldbewirtschaftung, insbesondere der Umstellung von Fichtenwäldern in eichenbetonte Laubmischwälder verschrieben. Nach Tätigkeiten bei der Forstdirektion Stuttgart und im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wurde er 1977 Präsident der Forstdirektion Tübingen und hat dort bis zu seiner Pensionierung den naturnahen Waldbau forciert. Der Orkan Wiebke 1990 stellte die Forstverwaltung vor große Herausforderungen; den Orkan Lothar 1999 und die stürmischen Zeiten der Umorganisation der Forstverwaltung erlebte er nach seiner Zurruhesetzung 1996 als Pensionär.

Peter Stoll gehörte seit 1979 dem Hauptausschuss an und wurde 1985 als Vizepräsident gewählt. 1991 trat er bei der Hauptversammlung in Tuttlingen als Präsident die Nachfolge von Prof. Dr. Schönnamsgruber an. 2001 gab er die Präsidentschaft bei der Hauptversammlung in seiner Geburtsstadt Crailsheim an Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß weiter.

Während Peter Stolls Präsidentschaft wandelte sich der Schwäbische Albverein von einem Wander- und Heimatverein zu einem Verein mit weitergehender gesellschaftlicher Verankerung. Das Wandern und die damit verbundene Wegbeschilderung und -markierung wurden weiter gepflegt, die durch oben genannte Stürme teilweise stark in Mitleidenschaft gezogenen Bauten und Türme instandgesetzt, darüber hinaus gab es aber eine ganze Reihe Neuerungen, die von Peter Stoll maßgeblich vorangetrieben wurden. Vieles wäre zu nennen: die Förderung der Jugend im Schwäbischen Albverein, sein nimmermüder Einsatz für die Kulturarbeit und Aufrechterhaltung des Brauchtums, besonders herausgestellt sei aber sein Engagement für Naturschutz und Landschaftspflege:

In erster Linie ist hier die Anerkennung des Schwäbischen Albvereins als Naturschutzverband zu nennen; 1994 konnte diese erreicht werden. Die Mitarbeit in den Gremien des Landesnaturschutzverbandes wurde zwar fortgeführt, aber der Schwäbische Albverein hatte von da an bei der Landesregierung doch eine bessere Stellung in maßgeblichen Naturschutzfragen.

Genauso bedeutsam, ja für die praktische Arbeit sogar bedeutsamer, war die Gründung des vereinseigenen Landschaftspflegetrupps 1992. Die ehrenamtliche Naturschutzarbeit der Ortsgruppen konnte fortan durch professionelle Kräfte unterstützt und vorangetrieben werden.

2001 kam – in engem Zusammenwirken mit dem Schwarzwaldverein – die gemeinsame Heimat- und Wanderakademie zustande; Peter Stoll war hier der maßgebliche Motor. Die Akademie hat sich schnell zu einer unverzichtbaren Instanz in allen Fragen der Aus- und Fortbildung in den Bereichen Natur, Heimat, Wandern entwickelt.

Natur – Heimat – Wandern: Diese drei Begriffe stehen für den Schwäbischen Albverein und wurden von Präsident Peter Stoll über viele Jahre mit Leben erfüllt. Auch als Ehrenpräsident gab er gerne seinen Rat und hat den Schwäbischen Albverein mit seinen vielseitigen Verbindungen auch weiterhin nach Kräften unterstützt.

Sein offenes, freundliches Wesen, seine umsichtige Art, seine Erfahrung, seine Fähigkeit, über den Tag hinaus größere Zusammenhänge zu erkennen, haben uns, die wir in seiner Nachfolge die Geschicke des Schwäbischen Albvereins lenken, oft geholfen. Die eigens geschaffene Georg-Fahrbach-Medaille in Gold, die ihm zu seinem 75. Geburtstag 2006 überreicht wurde, kann nur ein äußeres Zeichen der Dankbarkeit sein, ebenso der beim Nägelehaus bei Onstmettingen gepflanzte Bergahorn, der hoffentlich noch viele Jahre an Peter Stoll erinnern wird. Alle, die ihn kannten und schätzten und gerne mit ihm zusammengearbeitet haben, werden ihn nie vergessen!

Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident

Reinhard Wolf, Vizepräsident

Hansjörg Schönherr, Vizepräsident

 

Urnenbeisetzung

am Freitag 23. Oktober, 12.30 Uhr, 73230  Kirchheim/Teck , Kapelle am Alten Friedhof

Im Sinne des Verstorbenen bittet die Familie statt Blumen und Kränzen um Spenden an den Schwäbischen Albverein.