Albverein erhält Tourismuspreis – eine Würdigung des Ehrenamts

Der Schwäbische Albverein hat am 20. September 2017 einen bedeutenden Tourismuspreis erhalten. Der Tourismus-Verband Baden-Württemberg zeichnete den Traditionsverein für seine besonderen Verdienste um den Tourismus in Baden-Württemberg aus. Seit 1888 prägt und gestaltet der größte Wanderverein Europas den Wandertourismus auf nachhaltige Weise mit. Neben dem Schwäbischen Albverein bekam auch der Schwarzwaldverein den Preis verliehen.
Vizepräsident Hansjörg Schönherr nahm Ehrenmedaille und Urkunde vom Verbandspräsidenten, Minister Guido Wolf (MdL) entgegen. Dieser verwies auf die vielen engagierten Ehrenamtlichen ohne deren Engagement es das beeindruckende Wegenetz im Land (fast 50.000 Kilometer Wanderwege) nicht geben würde. Er lobte beide Organisationen auch für ihre erfolgreiche Nachwuchsarbeit. Sie seien Vorreiter und Vorbilder einer nachhaltigen Tourismusentwicklung. Das kontinuierliche Engagement des Schwäbischen Albvereins sowie des Schwarzwaldvereins sei die Voraussetzung dafür, dass Baden-Württemberg heute zu den beliebtesten und erfolgreichsten Wanderdestinationen zähle.
Wir veröffentlichen hier Auszüge der Laudatio von Minister Guido Wolf:
„Seit vielen Jahren ehren wir mit der Verdienstmedaille Persönlichkeiten aus dem Tourismus, die mit ihrem Engagement das Urlaubsland Baden-Württemberg maßgeblich geprägt haben. Mit dieser Auszeichnung möchten wir vor allem Danke sagen. Denn der Tourismus im Land lebt von starken Persönlichkeiten und engagierten Menschen, die mit ihren Ideen und mit ihrem Einsatz Impulse setzen und die Branche immer wieder ein Stück weit neu erfinden. Doch es sind nicht nur verdienstvolle Personen, die den Tourismus-Standort Baden-Württemberg so erfolgreich machen. Es ist auch die lange Tradition und Kontinuität, mit der so mancher Verein im Land für die Anliegen des Tourismus streitet. Der Vorstand des Verbandes hat daher beschlossen, in diesem Jahr keine Personen zu ehren, sondern zwei außerordentlich verdienstvolle Vereine, die seit weit mehr als einem Jahrhundert das Urlaubsland Baden-Württemberg prägen und gestalten. Mit der Verdienstmedaille des Tourismus-Verbandes ehren wir heute den Schwarzwaldverein und den Schwäbischen Albverein.

Beide Vereine stehen insbesondere für die einzigartige Qualität unseres Wanderwege-Netzes. Die Vereine pflegen und betreuen ein Netz von jeweils 24.000 bzw. 23.000 Kilometern bestens ausgeschilderten Wanderwegen. Beide Wegenetze reichen dabei weit über die Grenzen der namengebenden Mittelgebirge hinaus: Der Schwarzwaldverein erschließt nicht nur die Wege auf den Höhen des Schwarzwaldes, sondern deckt auch im Rheintal, im Hegau und am Bodensee weite Teile Badens ab. Der Schwäbische Albverein betreut als schwäbisches Pendant die Wanderwege in Württemberg bis hoch hinauf ins Taubertal und hinunter an den Bodensee – also ebenfalls weit über die eigentliche Alb hinaus.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ohne den ehrenamtlichen Einsatz vieler tausend ehrenamtlicher Mitglieder, die sich um die Einrichtung, Ausschilderung und Pflege dieser unzähligen Wege kümmern, wäre das Urlaubsland Baden-Württemberg nicht im Ansatz das, was es heute ist: eine der beliebtesten und erfolgreichsten Wanderdestinationen in Deutschland.

Doch wir verdanken den beiden Wandervereinen weitaus mehr als das. Dies zeigt uns ein kurzer Blick in die Geschichte und in die Gründungszeit der beiden Organisationen. Die Geschichte des modernen Tourismus in Baden-Württemberg ist eng verknüpft mit der Wanderbewegung im 19. Jahrhundert und mit dem Aufkommen der ersten Wandervereine. Lange bevor sich die späteren Fremdenverkehrsvereine um die Organisation und Vermarktung des Tourismus kümmerten, übernahmen die Wandervereine genau jene Aufgabe.

Lassen Sie es mich so formulieren: Der Schwarzwaldverein und der Schwäbische Albverein stehen am Beginn der Tourismuswerbung in Baden-Württemberg: So war es etwa das erklärte Ziel des 1864 gegründeten Schwarzwaldvereins – ich zitiere – „den Schwarzwald und seine angrenzenden Gegenden besser bekannt zu machen“. Bereits 1887 wurde für diesen Zweck durch den Schwarzwaldverein auch eine erste Auskunftsstelle für Einheimische und Gäste in Freiburg eingerichtet – heute nennen wir das „Tourist-Information“.

Das gleiche Ziel hatte auch der Schwäbische Albverein, der im Jahr 1888 gegründet wurde. In der ersten Satzung erklärte man die Absicht, „die Kenntnisse des Gebiets zu vertiefen und den Fremdenverkehr in demselben zu heben“.

Eine der ersten Aufgaben beider war somit Tourismusmarketing – und zwar lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab.

Zu diesem Zweck wurde nicht nur eine beeindruckende Infrastruktur geschaffen – mit Wegen, Beschilderungen, Bänken, Schutzhütten und vielem mehr. Von Anfang an stand auch die Vermittlung im Fokus – nicht zuletzt mit der Herausgabe von umfangreichem Kartenmaterial und anderen Schriften.

Doch der Schwarzwaldverein und der Schwäbische Albverein stehen nicht nur am Beginn des modernen Tourismus und seiner Vermarktung in Baden-Württemberg. Beide sind auch heute – mehr als 150 Jahre später – leistungsstarke und unverzichtbare Organisationen im Urlaubsland Baden-Württemberg.

Diesen Erfolg verdanken beide Vereine vor allem ihren vielen ehrenamtlichen Mitgliedern. Die Zahlen sind beeindruckend: Der Schwäbische Albverein ist heute mit rund 100.000 Mitgliedern der größte Wanderverein in Deutschland. Der Schwarzwaldverein hat 65.000 Mitglieder und ist darüber hinaus – ein weiterer Superlativ – der älteste Wanderverein in Deutschland.

Es sind auch diese hohen Mitgliederzahlen, die für den Erfolg und die Kontinuität beider Wanderverbände stehen. Eine Kontinuität, die beeindruckt und die alles andere als ein Selbstläufer ist. Beide engagieren sich seit Jahrzehnten in der Jugendarbeit, kümmern sich um Nachwuchs und stellen damit sicher, dass die Vereinsziele auch von künftigen Generationen umgesetzt werden.

Bei aller Kontinuität stehen Schwarzwaldverein und Schwäbischer Albverein aber auch für Öffnung und Modernisierung. Das zeigte sich nicht zuletzt in der Diskussion über die Nutzung der Wald- und Wanderwege durch Radfahrer und Mountainbiker. Ich begrüße es sehr, dass in dieser kontrovers geführten Debatte beide Vereine mit einer moderaten und versöhnlichen Haltung entscheidend dazu beigetragen haben, dass Wanderer und Radfahrer gemeinsam und rücksichtsvoll auf unseren Wegen unterwegs sind.

Meine Damen und Herren, um die Leistungen und Verdienste des Schwarzwaldvereins und des Schwäbischen Albvereins verstehen zu können, sollten wir uns noch einmal bewusst machen, welchen Stellenwert das Wandern im modernen Tourismus einnimmt. Keine Frage, das Wandern war immer wichtig in Baden-Württemberg. In den beschrieben Anfangszeiten des Tourismus wie in den letzten 150 Jahren. Was wir seit wenigen Jahren beobachten, ist aber eine neue Dimension und Qualität. Wir erleben aktuell eine Renaissance des Wandertourismus. Noch vor rund zehn Jahren hatte das Wandern einen etwas angestaubten Ruf. Heute gehört Wandern wieder durch alle Generationen zu den beliebtesten Urlaubsaktivitäten. Das verdanken wir ganz sicher einer bespiellosen Qualitätsinitiative und der Zertifizierung von inzwischen weit über 100 Premium- und Qualitätswanderwegen im Land. Diese zertifizierten Wege boomen, locken Tausende von Wanderern an und haben das Thema mit ihrem Erlebnischarakter wieder zum Trendthema gemacht.

Doch beim Blick auf diesen Trend dürfen wir eine Sache nicht vergessen: Grundlage dieses Erfolgs ist das seit 150 Jahren angelegte und gepflegte Wegenetz des Schwarzwaldvereins und des Schwäbischen Albvereins. Ohne dieses Wegenetz wäre auch die aktuelle Renaissance des Wandertourismus undenkbar. Daran möchte ich heute erinnern und dafür schulden wir beiden Vereinen und ihren vielen ehrenamtlichen Mitgliedern unseren aufrichtigen Dank.

Mit ihrer Pflege eines riesigen Wanderwegenetzes, von Schutzhütten, Bänken und Schildern schaffen sie seit Generationen die Infrastruktur, von der wir alle heute profitieren. Sie erschließen den Wandersüden darüber hinaus mit einer Vielzahl an Gruppenwanderungen, Jugendfreizeiten und mit einem umfangreichen Kartenmaterial.

Damit sind der Schwäbische Albverein und der Schwarzwaldverein maßgeblich für den Erfolg der Wanderdestination Baden-Württemberg mitverantwortlich.

Durch ihr Engagement für Naturschutz, Umweltpädagogik und den Erhalt von Traditionen können sie darüber hinaus auch als Vorreiter und Vorbilder einer nachhaltigen Tourismusentwicklung angesehen werden.

Ohne das Engagement der beiden Vereine hätten wir heute keine Renaissance des Wandertourismus, gäbe es nicht über 100 zertifizierte Premium- und Qualitätswanderwege und stünde Baden-Württemberg nicht an der Spitze der deutschen Wanderdestinationen!

Beiden Organisationen gratuliere ich herzlich zu ihrer erfolgreichen Arbeit in der Vergangenheit und in der Gegenwart, für die wir uns heute mit dieser Auszeichnung bedanken möchten. Ich verbinde meine Gratulation mit dem Wunsch, dass Sie Ihr Engagement auch in Zukunft erfolgreich fortsetzen und damit weiterhin zum Erfolg des Urlaubslandes Baden-Württemberg entscheidend beitragen.“