Bericht des Albvereins-Präsidenten zur Hauptversammlung 2017

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Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß hielt am 25. Juni 2017 in der Stadthalle Plochingen seinen Jahresbericht.

Sehr geehrte Ehrengäste,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Wanderfreundinnen und Wanderfreunde,

heute trage ich meinen 16. Bericht als Albvereins-Präsident in einer Hauptversammlung vor. Nach wie vor fällt es mir nicht leicht, aus dem breiten Spektrum unserer zahlreichen Aufgabengebiete eine kleine Auswahl zu treffen. Jede unserer Tätigkeiten ist es wert, darüber zu berichten.
Seit einigen Jahren erlebt das Wandern eine unwahrscheinliche Beliebtheit. Ca. zwei Drittel unserer deutschsprachigen Bevölkerung über 16 Jahre wandert in der Freizeit gerne. Vor fünf Jahren waren es noch knapp über 50%. Der Trend nimmt zu. Damit ist Wandern die beliebteste Freizeitbetätigung in Deutschland. Das macht uns einerseits stolz, aber andererseits nachdenklich, weil von den über 50 Millionen Wanderinnen und Wanderern lediglich nur 600.000 als Mitglieder in unseren Wandervereinen sind. Wir müssen unsere Wanderangebote in den Ortsgruppen besser „vermarkten“. Unsere Ortsgruppen müssen deutlich stärker auf ihre guten Angebote aufmerksam machen.
Eine Untergruppe unseres Arbeitskreises Wandern beschäftigt sich mit dieser Thematik und wird für das Marketing der Wanderangebote unserer Ortsgruppen Vorschläge erarbeiten. Als Grundvoraussetzung für die Verbesserung müssen gute und interessante Wanderungen angebotene werden. Freundliche, kompetente und motivierte Wanderführerinnen und Wanderführer sind unabdingbar. Unsere gemeinsam mit dem Schwarzwaldverein betriebene Heimat- und Wanderakademie Baden-Württemberg ist eine Ausbildungs- und Weiterbildungsstätte. Im August 2016 wurde die Anerkennung als Träger von Qualifizierungsmaßnahmen im ehrenamtlichen Bereich vom Regierungspräsidium Karlsruhe ausgesprochen. Das heißt, die Heimat- und Wanderakademie Baden Württemberg ist berechtigt, Bildungsmaßnahmen im Sinne des Bildungszeitgesetzes durchzuführen.
Auch dieses Jahr mache ich Werbung für die Wanderführerausbildung und fordere die Ortsgruppen auf, ständig Mitglieder zur Ausbildung zu schicken. Wenn wir Werbung damit machen, dass Wandern mit unseren Ortsgruppen besser ist, als alleine zu wandern, dann müssen wir auch die Voraussetzungen dafür schaffen.
Die Ausbildungsziele und Ausbildungsinhalte entwickeln sich ständig weiter. Die Themen Kulturlandschaft erleben, Wandern und Nachhaltigkeit haben sich gut etabliert. Die Wanderführerinnen und Wanderführer werden als Vermittler für nachhaltige regionale Angebote gegenüber den Wandergästen weitergebildet. Sie sollen Nachhaltigkeit als Erlebniskonzept in ihren Wanderungen einsetzen – beispielsweise durch alternative umweltschonende Fortbewegung, durch nachhaltigen regionalen Erlebniseinkauf, durch kulinarische, regionale Entdeckungsreisen oder durch Einbeziehung von Menschen mit Einschränkungen ins Wanderangebot. Wandern kann dazu beitragen, dass Natur und Umwelt geschützt und langfristig erhalten bleiben. Natur- und Umweltbildung sind für attraktive Wanderungen gute Voraussetzungen: Naturschutzzentren, Lehrpfade und ein gezieltes Angebot an Führungen sind entscheidende Bausteine hierfür.
Vor kurzem startete ein neues Wanderprodukt: Ü30 Wandern. Engagierte jugendliche Wanderführer haben ein attraktives Programm ausgearbeitet, das für die Altersgruppe 30 bis 50 passend ist. Ob Morgentau oder Abendrot, ob achtsam oder mit Elan – hier findet jeder seinen Stil. In geselliger Runde haben die Teilnehmer die Chance, neue Leute kennenzulernen, etwas über die Umgebung und sich selbst zu erfahren. Viel Einsatz für Öffentlichkeitsarbeit (Flyer, Internet, Facebook und Postkarten) zeigen ihre Wirkung. Mehrere Wanderungen haben bereits mit einer Beteiligung von 15 – 20 Teilnehmern stattgefunden.
Wandern ist eine Kernkompetenz des Schwäbischen Albvereins.
Immerhin beteiligten sich letztes Jahr ca. 367.000 Teilnehmer an ca. 20.000 Wanderungen (zu Fuß, mit Fahrrad oder Schneeschuhen). 6506 Wanderführerinnen und Wanderführer haben in ca. 255.000 Stunden ehrenamtlich für diesen Erfolg gesorgt.

Grundlage für die ständig zunehmende Anzahl der Wanderinnen und Wanderer ist ein gut ausgebautes Wanderwegenetz in Deutschland. Die 58 Mitgliedsvereine des DWV betreuen über 200.000 km Wege. Die Wegewarte und Wegemeister unseres Schwäbischen Albvereins kümmern sich in über 25.000 Stunden ehrenamtlich um ca. 23.000 km.
Die Wanderinfrastruktur hat sich in den letzten Jahren deutlich weiter entwickelt. Hierzu haben wesentlich die Kriterien der Qualitätswanderwege Wanderbares Deutschland beigetragen. Auf eine zuverlässige Beschilderung, auf die Wegebeschaffenheit, auf die Wegeführung und auf die Attraktivität der Wegeumgebung (Aussichten, interessante Naturereignisse, Kulturelle Sehenswürdigkeiten) wird von den Wanderern besonders geachtet. Auf der Gauwegemeistertagung wurde eine Arbeitsgruppe Pflege gegründet. Diese Gruppe wird sich damit beschäftigen, in wie weit unser Wegenetz ausgedünnt werden kann. Manche Wege werden schon längere Zeit nicht mehr begangen. Verschiedene Ortsgruppen haben keinen arbeitsfähigen Wegewart mehr. Ziel ist eine flächendeckende Markierung und Pflege der dann noch vorhandenen Wanderwege des Schwäbischen Albvereins zu gewährleisten. Eine weitere neu gegründete Arbeitsgruppe Qualitätsmanagement beschäftigt sich mit der Qualitätssicherung von Daten und Informationen im Bereich der Wegearbeit sowie der Qualität der Markierung vor Ort. Ziel hierbei ist es, ein Qualitätsmanagement im Einklang mit ehrenamtlichem Engagement einzurichten und so die Sicherung unserer Wegedaten wie auch der Markierung vor Ort zu gewährleisten.

Unsere Mitglieder waren auch für den Naturschutz sehr erfolgreich. Über 33.000 Stunden wurden ehrenamtlich geleistet. Viele kleine und große Pflegeeinsätze sichern den Erhalt von wertvollen Biotopen mit seltenen Pflanzen und Tieren. Die Betreuung und der Bau von Nisthilfen, Amphibienschutz, unzählige Putz- und Streifendienste, aber auch Öffentlichkeitsarbeit, naturkundliche Führungen gehören genauso zu den Aktivitäten wie die Ausarbeitung von Stellungsnahmen bei beabsichtigten Eingriffen.
Als Naturschützer sind wir bedacht auf Nachhaltigkeit. Wir setzen uns für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Biodiversität ein. Unter der Erkenntnis, dass täglich ca. 150 Arten auf unserer Erde unwiederbringlich aussterben, müssen wir handeln.
Auch wenn der amerikanische Präsident den Klimawandel verneint, erleben wir doch klimabedingte Veränderungen bei Tieren und Pflanzen. So sind z. B. im Schwarzwald Fischarten ausgestorben, die nur unter einer bestimmten Temperatur laichen. Diese Temperatur wird aber nicht mehr unterschritten.
Bekanntermaßen findet 2019 die Remstal-Gartenschau statt. Wir werden anlässlich dieser Großveranstaltung ein Landesfest in Schwäbisch Gmünd feiern. Darüber hinaus werden wir uns mit der Pflege von Feldhecken beteiligen. Mit Unterstützung der Umweltstiftung Stuttgarter Hofbräu wurde bereits im vergangenen Winter ein Abschnitt einer überalterten Hecke mustergültig gepflegt und verjüngt. Die nächsten zwei Winter werden weitere Abschnitte auf den Stock gesetzt, so dass die Besucher der Gartenschau die Entwicklung der Hecke nach der Pflege in drei Altersphasen begutachten können. Informative Tafeln werden die Bedeutung von Feldhecken und die Notwendigkeit von fachgerechten Rückschnitten erläutern. Des Weiteren werden der Gesamtverein und die OG Remseck das Projekt öffentlichkeitswirksam begleiten.

Heute möchte ich Ihnen wiederum vom Fortschritt unserer Familienarbeit berichten. Hierzu zitiere ich aus dem Bericht unserer neu gewählten Hauptfachwartin für Familien Frau Andrea Friedel:
„Die im letzten Jahr neu zu uns gestoßenen pädagogischen Mitarbeiterinnen haben sich sehr gut ins pädagogische Team eingefügt. Die Arbeit in den betreuten Ortsgruppen läuft bei allen vier PMA sehr gut und teilweise konnten bereits Ehrenamtliche für kleine Aufgaben gewonnen werden. Im Nordostalb Gau konnte Michaela Spielmann Ende April eine weitere neue Familiengruppe in ehrenamtliche Hände übergeben. Das Resultat aus ihrer zweijährigen Tätigkeit als pädagogische Mitarbeiterin sind insgesamt drei neu gegründete Familiengruppen, die inzwischen ihr eigenes Familienjahresprogramm auf die Füße gestellt haben. Diese Erfolge erfreuen uns sehr und ermutigen uns, weiter zu machen. Wir haben neben der ehrenamtlichen Gründung von Familiengruppen einen weiteren Weg der Zukunftssicherung gefunden.“ Soweit aus dem Bericht von Frau Friedel. Ich möchte noch ergänzen, dass zurzeit 18 Familiengruppen im Aufbau sind. Im Jahr 2016 gab es 80 Veranstaltungen mit ca. 1500 Teilnehmern. 250 junge Familien konnten in den Albverein aufgenommen werden.
Die jungen Familien wachsen in den Albverein hinein und ergänzen die vorwiegend fehlende Generation der 30- bis 45-Jährigen. Als erfreuliches Beispiel möchte ich erwähnen, dass in meiner eigenen Ortsgruppe Plochingen seit Anfang dieses Jahres aus der vor ein paar Jahren gegründeten Familiengruppe vier Mitglieder in den Ortsgruppenausschuss gewählt worden sind. Eine Wanderfreundin ist sogar in den erweiterten Ortsgruppenvorstand gewählt worden. Ich bin überzeugt, dass dieses Beispiel sich in den anderen Ortsgruppen fortsetzen wird. Ein weiterer Schritt für die Zukunftssicherung.
Die Familiengruppe der OG Plochingen hat eine Kooperation mit einem Kindergarten. Sie sind eines von vier deutschen Modell-Tandems aus Kindertagesstätte und Familiengruppe, die am Projekt „Gesundheitswandern für Kinder und Familien“ des Deutschen Wanderverbandes. Gefördert wird das Kita-Projekt vom Bundesministerium für Gesundheit. So kommt Gesundheitswanderführerin Petra Rauchfuß regelmäßig einmal pro Woche in die Kita, um mit den Kindern altersentsprechende Wanderungen zu unternehmen. Vor allem freies Spielen im Wald und auf dem Feld, aber auch Kartenlesen und Picknicks gehören zum Programm.
Die Kinder des Bühleichen Kindergartens haben in diesem Jahr bereits über 100 km erwandert. Dafür erhalten sie im Rahmen der Ehrungen das Deutsche Wanderabzeichen in Bronze.

Im Vorfeld der heutigen Hauptversammlung wurde wiederum ein Schulwanderwettbewerb ausgeschrieben. Die Gruppen stellten sich dem Thema: „ Komm mit – wir wecken den Frühling“. Ziel der Aktion sollte es sein, möglichst viele Kinder zum Wandern zu motivieren, ihnen ihre Heimat ans Herz zu legen und sie den Frühling mit allen Sinnen erleben zu lassen. Erfreulicherweise hat Frau Gerlinde Kretschmann erneut die Schirmherrschaft übernommen. Eine Jury hat sich der anspruchsvollen Aufgabe gestellt, die Arbeiten zu bewerten. Berücksichtigt wurde neben der Originalität der Dokumentation auch die Umsetzung des Themas. Aus allen Dokumentationen ging hervor, dass die Kinder großen Spaß hatten. Es wurden Blumen gepflückt, Kränzchen gebunden, Staudämme gebaut, Bilder aus Naturmaterialien gebastelt, Pflanzen bestimmt und vieles mehr.

In meinem Bericht habe ich bisher mehrere Zahlen vorgetragen. Ich möchte Ihnen noch die Gesamtzahl aller uns gemeldeten ehrenamtlichen Stunden unserer Fachwarte nennen: ca. 513.000 Stunden. Hierbei sind nicht die zahlreichen Stunden der fleißigen Helferinnen und Helfer in den Ortsgruppen und Gauen enthalten. Jeder einzelne trägt zum Gelingen unseres Schwäbischer Albverein mit bei. Jeder leistet seinen Beitrag zur Zukunftssicherung unseres Vereins.

Dieses Jahr ist eine vierjährige Wahlperiode zu Ende gegangen. Der Hauptausschuss hat in seiner Sitzung am 6. Mai einen neuen Vorstand gewählt. Der bisherige Vizepräsident Reinhard Wolf hatte bereits im Januar mitgeteilt, dass er sich aus dem Präsidium zurückziehen möchte. Er gehörte 26 Jahre dem Hauptausschuss an, davon 24 Jahre als Gesamtvorstand und 12 Jahre als Vizepräsident. Seine Mitarbeit war für den Schwäbischen Albverein sehr erfolgreich. Ich bedauere seine Entscheidung sehr, respektiere sie und habe volles Verständnis. Er möchte weiterhin für den Albverein aktiv mitarbeiten. Eine große Fülle von Aufgaben möchte er weiterhin betreuen. Reinhard Wolf war und ist für mich ein unersetzlicher Berater und ein lieber Freund.
Als sein Nachfolger als Vizepräsident konnte der Gauvorsitzende des Lichtenstein Gaues Thomas Keck gewonnen werden. Seine langjährige Erfahrungen als Ortsgruppenvorsitzender von Betzingen, als Gauvorsitzender und als Bezirksbürgermeister von Betzingen kann er in seine neue Aufgabe einbringen.
Der neu gewählte Gesamtvorstand setzt sich wie folgt zusammen:
Präsident Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Vizepräsidenten Hansjörg Schönherr und Thomas Keck, Beisitzer Tanja Waidmann, Rolf Kesenheimer, Rolf Walther Schmid und Manfred Stingel.

Zum Abschluss meines Berichtes danke ich allen, die mich bei meiner Aufgabe unterstützt haben und die sich für unseren Verein in den Ortsgruppen, in den Gauen, im Gesamtverein, im Hauptausschuss und im Vorstand eingesetzt haben. Ich sage ausdrücklich bei allen, und meine alle ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam mit ihren Familienangehörigen, Partnerinnen und Partnern.
Ein weiterer besonderer Dank gilt meinen beiden Stellvertretern Reinhard Wolf und Hansjörg Schönherr, selbstverständlich gilt der Dank auch für meinen neuen Stellvertreter Thomas Keck.

Für die vor uns liegende Zeit bitte ich Sie alle um Ihre Unterstützung und bitte Sie, sich weiterhin zum Wohle des Schwäbischen Albvereins und damit auch zum Wohle unserer Heimat einzusetzen. Gemeinsam können wir die Zukunft meistern.

Dr. Hans-Ulrich Raußfuß