Bericht des Albvereins-Präsidenten

Thema Landesfest 2015 Artikel 2 von 4

Jahreshauptversammlung, 10. Mai 2015, Stadthalle Sigmaringen

Das Jahr nach unserem 125-jährigen Jubiläum war kein Jahr des Zurücklehnens und des Ausruhens. So haben wir im Frühjahr erstmals Gesundheitswanderwochen angeboten. Über unser Vereinsgebiet wurden 40 Gesundheitswanderungen von 16 zertifizierten Gesundheitswanderführerinnen und –führern geleitet. Gesundheitswandern ist ein tolles Bewegungsprogramm, das Wandern, Naturerlebnisse, Geselligkeit und physiotherapeutische Übungen wirkungsvoll kombiniert.
Das Institut für Leistungsdiagnostik und Gesundheitsförderung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat eine wissenschaftliche Studie durchgeführt und belegt, dass unsere Gesundheitswanderungen folgende Anforderungen erfüllen:
– Stärkung von Koordination, Kraft, Ausdauer und Entspannung
– Minderung von Risikofaktoren
– Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens.
Auch wurde bewiesen, dass positive Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, auf den Stoffwechsel, auf den Bewegungsapparat, auf das Immunsystem und auf die Psyche zu verzeichnen sind.
Allerdings werden diese Effekte nachhaltig nur erzielt, wenn die Gesundheitswanderungen kursmäßig – 8 bis 10 Wanderungen pro Kurs- durchgeführt werden. Die Wanderungen dauern ca. 2 Stunden. Dabei wird auf einer Strecke von ca. 3 – 5 km abwechselnd gewandert und bei Stopps zwischendurch mit speziellen Übungen z. B. die Muskulatur gekräftigt und gedehnt und auch die Koordination geschult. Zusätzlich wird noch theoretisches Wissen z. B. bezüglich gelenkschonender Bewegung im Alltag und gesunder Ernährung vermittelt.
Im Mai 2015 fand der erste Aktionstag Gesundheitswandern auf der Burg Derneck statt. Zahlreiche Wandergruppen schwärmten mit zertifizierten Gesundheitswanderführerinnen und Gesundheitswanderführern aus und kamen begeistert wieder zum Wanderheim zurück. Physiotherapeuten erklärten in einem Vortrag Wissenswertes über gelenkschonendes Wandern.
Bereits letztes Jahr habe ich erklärt, dass ich mit dem Angebot von Gesundheitswanderungen für unsere Ortsgruppen eine von vielen Möglichkeiten, neue Mitglieder zu gewinnen, sehe.
Gesundheitswanderungen haben eine Zukunft. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Bevölkerung in den nächsten Jahren noch mehr für ihre gesundheitliche Prävention unternehmen will. Hierfür bietet sich das Gesundheitswandern als ein niederschwelliges Angebot für jeden an, der etwas für seine Gesundheit tun möchte.

Heute möchte ich mit einigen Zahlen aus der Statistik aufzeigen, wie fleißig unsere Mitglieder sind. Letztes Jahr nahmen ca. 380.000 Teilnehmer an ca. 19.000 Wanderungen (Ganztages, Halbtages, Mehrtageswanderungen) teil. Hierfür leisteten 6906 Wanderführerinnen und Wanderführer ehrenamtlich ca. 243.000 Stunden.
677 Wegmeister und Wegwarte betreuten in ca. 32.000 Stunden ein Wegenetz von ca. 23.000 km Länge.
Unsere Naturschützer waren gleichfalls fleißig. Sie betreuten und pflegten in ca. 42300 Stunden eine Fläche von ca. 6400 ha.

Letztes Jahr hat der Hauptausschuss eine Beitragserhöhung zur Zukunftssicherung unseres Vereines beschlossen. Die Ortsgruppen sollen bei der Gründung von Familiengruppen durch hauptamtliche Referenten unterstützt werden. Gemeinsam mit dem Familienbeirat wurde das Anforderungsprofil der Referenten erarbeitet und die entsprechenden Stellenausschreibungen herausgegeben. Bewerbungsgespräche fanden bereits statt, und die Arbeitsverträge werden demnächst unterschrieben. Ab Juni werden wir in den Ortsgruppen, die ihre Bereitschaft zur Gründung von Familiengruppen angemeldet hatten, in Absprache mit den Gauvorsitzenden und in Einbindung mit den Ortsgruppenvorsitzenden die Arbeit beginnen. Wir erhoffen uns, dass wir neue Mitglieder bekommen werden und dass mit den neuen Mitgliedern auch über kurz oder lang neue Mitarbeiter gewonnen werden.
Die Familiengruppen des Albvereins bieten die Möglichkeit, dass Mama, Papa und Kinder gemeinsam etwas unternehmen können. Die Eltern von heute wollen mehr denn je mit ihren Kindern am Wochenende zusammen sein. Unter der Woche sind die Eltern beruflich stark belastet. Die Kinder sind z. B. durch Ganztagesschulen während der Woche zeitlich ausgelastet. So dass oft nur noch am Wochenende die Möglichkeit für gemeinsame Aktivtäten besteht.

Der Schwäbische Albverein betreibt seit der Gründung die Ausschilderung von Wanderwegen als eine wichtige Aufgabe. Zum einen, damit die Wanderer sicher an ihr Ziel gelangen und zum anderen, damit sensible Naturbereiche freigehalten werden. So kam es in der Vergangenheit auch vor, dass Wege geschlossen wurden, weil das entsprechende Wandergebiet unter Naturschutz gestellt wurde. 1991 wurde das Biotopschutzgesetz beschlossen. Über die Gefährdung der sehr sensiblen Flora und Fauna der Felsköpfe wurde lebhaft diskutiert. Das Klettern an den Felsen wurde eingeschränkt. Der Schwäbische Albverein hat in diesem Zusammenhang einige Aussichtspunkte gezielt aus dem Wanderwegenetz herausgenommen. Wegeschilder wurden entfernt, Zugangspfade unkenntlich gemacht und Wanderwege umgeleitet. Das Obere Donautal ist uns allen als Beispiel bekannt.
Leider beobachten wir jetzt eine Entwicklung, die nicht gut ist. Obwohl unsere Naturschutzgesetze und die EU-Richtlinien weiter entwickelt worden sind, werden teilweise diese Felsen im Zuge der Errichtung von Premiumwanderwegen durch das Deutsche Wanderinstitut wieder neu für die Wanderer zugänglich gemacht. Es ist unverständlich, dass mehrfach gesetzlich geschützte Felsköpfe (als geschütztes Biotop, als Naturschutzgebiet und als von der EU geschützter FFH-Lebensraum) durch mit dem Wandersiegel zertifizierte Premiumwanderwege zugänglich gemacht werden.
Die Erschließung (Wiedererschließung) von streng geschützten Biotopen ist nicht akzeptabel und muss gestoppt werden! Die Zerstörung von unter Schutz gestellter Natur durch Premium- und andere neue Wanderwege verstößt gegen die Prinzipien der Nachhaltigkeit und auch gegen das Naturschutzgesetz.

Seit über 10 Jahren werden auf verschiedenen Grundstücken des Schwäbischen Albvereins Blumenwiesenfeste durchgeführt. Auf Anregung unseres ehemaligen Vizepräsidenten Prof. Dr. Theo Müller haben sich wunderschöne Exkursionen in die Natur etabliert. Seit den letzten Jahren werden zusätzlich umweltpädagogische Begleitproramme für Kinder angeboten. Hier können die Kinder Pflanzen und Tiere anfassen. Spielerisch lernen sie so die Pflanzen und Tiere kennen. Ein Eindruck der Biologischen Vielfalt wird vermittelt. Die Blumenwiesenfeste sind ein Erfolgsprogramm geworden. Für Familiengruppen sind diese Naturerlebnisse bestens geeignet und empfehlenswert. Vor 2 Jahren wurden die Blumenwiesenfeste mit dem Landesnaturschutzpreis der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg ausgezeichnet. Die Bedeutung der Blumenwiesen haben uns dazu veranlasst, eine Resolution zur Erhaltung dieses wunderbaren Biotopes verfassen und an die Landesregierung Baden-Württemberg zu überreichen.

Wie jedes Jahr, so stehe ich auch in diesem Jahr vor dem Problem, dass ich in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit nicht über alle Fachbereiche unseres Wander- und Heimatvereins berichten kann. Alle Bereiche sind es wert, dass über sie gesprochen werden sollte. Ich bitte Sie, meine Damen und Herren, die entsprechenden Berichte in den Albvereinsblättern und in den Informationsbriefen „Albverein Aktuell“ aufmerksam zu lesen. Ich schätze sehr die Arbeit unserer Wanderwarte, Wanderführer, Wegemeister, Naturschützer, Volkstänzer, Brauchtums- und Mundartpfleger, Betreuer der Wanderheime und Türme und aller Aktiven, die sich zum Wohle unseres Vereines und damit auch zum Wohle unserer Heimat einsetzen.

Zum Abschluss meines Berichtes danke ich allen, die mich bei meiner Aufgabe unterstütz haben und die sich für unseren Verein in den Ortsgruppen, in den Gauen, im Gesamtverein, im Hauptausschuss und im Vorstand eingesetzt haben. Ich sage ausdrücklich bei allen, und meine alle ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam mit ihren Familienangehörigen, Partnerinnen und Partnern.
Ein weiterer besonderer Dank gilt meinen beiden Stellvertretern Reinhard Wolf und Hansjörg Schönherr.

Für die vor uns liegende Zeit bitte ich Sie alle um Ihre Unterstützung und bitte Sie, sich weiterhin zum Wohle des Schwäbischen Albvereins und damit auch zum Wohle unserer Heimat einzusetzen. Gemeinsam können wir die Zukunft meistern.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und schließe meinen Bericht mit einem herzlichen Frisch Auf.
Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident des Schwäbischen Albvereins

Rettet die Blumenwiesen!Rauschendes Landesfest in Sigmaringen – Politische Töne bei der Hauptversammlung: Präsident plädiert für mehr Engagement beim Naturschutz