WanderTIPP Vom Weigoldsberg zum Haarberg / Wasserberg

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Das 4,8 ha große flächenhafte Naturdenkmal Weigoldsbergheide und das 110 ha große Naturschutzgebiet Haarberg/Wasserberg befinden sich auf der Filsalb bei Reichenbach im Täle über dem Fischbachtal. Das NSG Haarberg / Wasserberg ist eines der vielfältigsten und größten Schutzgebiete im Landkreis Göppingen.

Wir beginnen unsere sehr abwechslungsreiche und botanisch außerordentlich interessante Wanderung in Reichenbach im Täle. Zuerst kurz die Schulstraße entlang, dann auf den Oeschweg rechts abbiegen und steil hinauf zum Weigoldsberg. Die Wanderung geht den schmalen Pfad unterhalb der Wacholderheide entlang. Das blumenreiche Teilstück der Weigoldsbergheide befindet sich im Besitz des »Bund Naturschutz Alb-Neckar« und wird von dieser Naturschutzgruppe unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse der dort vorkommenden Pflanzengesellschaften gepflegt. Auf der trockenen Heidefläche gedeihen je nach Jahreszeit eine Vielfalt von seltenen Arten wie Acker-Wachtelweizen, Berg-Kronwicke, Ästige Graslilie und Orchideenarten wie Hummel-, Fliegen- und Bienenragwurz, Helm-Knabenkraut und Rotes Waldvögelein.

Nach der Heide geht es durch den Wald leicht ansteigend, um den Weigoldsberg herum zum Hexensattel, den wir nach ca. 1 ¼ Stunden ab Reichenbach erreichen. Am Hexensattel, der sich sehr gut als Vesperplatz eignet, hat man einen schönen Blick nach Unterböhringen und hinüber zu den Hausener Felsen. Nun führt unsere Wanderung auf einem Schotterweg am Südhang des Naturschutzgebietes Haarberg / Wasserberg weiter. Eine überaus abwechslungsreiche Landschaft erwartet uns. Wacholderheiden, Trocken- und Halbtrockenrasen, Hangschutthalden, Gebüsche, Heckenstrukturen, Sukzessionsflächen, Eichen-Trockenwald und Buchen-Hangwald folgen in kurzen Abständen aufeinander und führen zu einer reichen Flora. Schautafeln bieten Wissenswertes über Flora und Fauna, über die historische Entwicklung und zur Pflege des wertvollen Naturschutzgebietes.

Im zeitigen Frühjahr ist auf den einmähdigen Flächen ein blauer Teppich mit dem Frühlingsenzian (Gentiana verna) zu sehen, auf dem Kreuzberg, der durch einen Abstecher auf steilem Pfad vom Schotterweg aus erreicht werden kann, blüht die Küchenschelle in großer Anzahl. Von den über 15 Orchideenarten möchte ich insbesondere die Vielzahl der Spinnenragwurzen und Helm-Knabenkräuter erwähnen, außerdem Bocks-Riemenzunge, Fliegenragwurz und Manns-Knabenkraut. Seitens der Fauna sind die zahlreichen Schmetterlingsarten und anderen Insekten, z. B. Schmetterlingshaft, und von den Schlangen ist die Schlingnatter besonders zu erwähnen.

Die reine Wanderzeit zum Wanderheim Wasserberghaus dauert zwar vom Hexensattel aus nur etwa eine Stunde, durch die vielen Beobachtungen und Eindrücke wird man jedoch eine längere Zeit benötigen. Nach einer ausgiebigen Pause auf dem sehr gut geführten Wanderheim Wasserberghaus gehen wir auf gleichem Weg zurück bis kurz vor der Straße beim Hexensattel, dort führt ein beschilderter Pfad rechts hinunter zum Schützenhaus und zurück nach Reichenbach im Täle. Für die gesamte Wanderung (ohne Einkehr) sind mindestens vier Stunden einzuplanen.
Karl Stäbler, Naturschutzwart Stuttgarter Gau

Karte: Freizeitkarte 1:50.000 F521
Göppingen, Remstal, Filstal
Literatur: Ulrike Kreh: Haarberg / Wasserberg, in: Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart, Hrsg. Reinhard Wolf, Ulrike Kreh, Ostfildern, 2007, S. 523 – 525

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