WanderTIPP Durch das romantische Siebenmühlental

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Das Siebenmühlental liegt zwischen Leinfelden-Echterdingen und Waldenbuch, am Südwestrand der Filderhochebene und ist gleichzeitig der östliche Teil des Schönbuchs. Durch die blumenreichen Talwiesen schlängelt sich der Reichenbach, der unterhalb der Burkhardtsmühle in die Aich mündet. Oft wird das Tal auch als Reichenbachtal bezeichnet.
Der Name „Siebenmühlental“ entspricht eigentlich nicht der Wirklichkeit, denn es handelt sich um 11 Mühlen, von denen heute allerdings nur noch eine mahlt. In der ersten urkundlichen Erwähnung dieser Mühlen, im Jahr 1383, waren es tatsächlich nur sieben Mühlen. Dieser Name hat sich gehalten.
Im Herbst 2010 wurde der Teil des Siebenmühlentals zwischen Seebrückenmühle und Burkhardtsmühle durch Verordnung des Regierungspräsidiums als Naturschutzgebiet und Schonwald ausgewiesen. Die NSG-Fläche umfasst 98,5 ha, der dazugehörige Schonwald 359 ha.

Wir beginnen die Wanderung in Musberg bei der Kirche (Besenbinderbrunnen). Dort befindet sich ein größerer Parkplatz, und die Stelle ist auch mit ÖPNV gut zu erreichen.
Über die Böblinger Straße steigen wir links ab durch den Haldenbrunnenweg zum Mühlweg, und wir sehen dann rechter Hand bereits die Obere Mühle, die sich unterhalb der ehemaligen Sprungschanze und dem früheren Skilift der Hauwiesen befindet. Die Obere Mühle ist die älteste Mühle im Tal, dort wurde bereits im 14. Jahrhundert fleißig gemahlen. Heute befindet sich dort ein Reitstall.
Wir wandern dem Mühlweg in östlicher Richtung entlang und blicken links auf einen herrlichen Hang mit Halbtrockenrasen und teilweise alten Obstbäumen. Es handelt sich hier um einen Teil des Naturschutzgebietes „Musberger Eichberg“, wo wir je nach Jahreszeit eine reichhaltige und seltene Flora beobachten können, wie beispielsweise Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea), Weißes Waldvögelein (Cephalanthera damasonium), Heide-Nelke (Dianthus deltoides), Karthäuser-Nelke (Bild, Dianthus carthusianorum), Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata), Echtes Labkraut (Galium verum), Dost (Oreganum vulgare), um nur einige Arten zu nennen. In dem reich strukturierten Eichberg ist im Heckenbereich der Neuntöter anzutreffen. Brutvögel sind u. a. Halsbandschnäpper und Wendehals.

Wir kommen zur Eselsmühle. Hier wird heute noch gemahlen, wenn auch nicht mehr mit Wasserkraft. Das intakte Mühlrad kann durch eine kleine Tür am Hausrand besichtigt werden. Der heutige Besitzer stellt hier auf biologische Weise Demeter-Erzeugnisse her. Ein kleiner Laden und ein Cafe ist angeschlossen. Es geht weiter bis zum Viadukt vor der Landstraße L 1191, die wir überqueren, und zwischen Mäulesmühle und Komede-Scheuer hindurchgehen. Es befindet sich dort ein Mühlenmuseum und im oberen Stock die Mühlengaststätte. In der Komede-Scheuer finden die bekannten Theater-Aufführungen „Hannes und der Bürgermeister“ mit Albin Braig und Karlheinz Hartmann statt. Auf dem Fußweg neben der Landstraße kommen wir zur L 1208 (B 27 alt), überqueren diese und sind am Wanderweg bei der Seebrückenmühle.

Hier beginnt das Naturschutzgebiet „Siebenmühlental“. Auf dem Wanderweg mit der Albvereinsmarkierung „rotes Kreuz“ kommen wir an der Schlechtsmühle vorbei zur Schlösslesmühle, in der sich eine gut gehende Gaststätte befindet. Etwa 100 m oberhalb der Schlösslesmühle befinden sich einige Übersichtstafeln, die viele Informationen über die biologische Vielfalt des Natur- und Waldschutzgebietes enthalten. Dieser kleine Abstecher sollte nicht versäumt werden.

Die Wanderung führt uns im Tal weiter zur Walzenmühle, wo der heutige Besitzer eine Pferdezucht begonnen hat und einen Reitstall betreibt. Das Futter kommt hauptsächlich aus der eigenen Landwirtschaft. Auf dem Weg zur Kochenmühle kommen wir vorbei an feuchten und nassen Talwiesen mit kleinen Wasserflächen, in denen im Frühjahr eine größere Anzahl vom Breitblättrigen Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), Trollblumen (Trollius europaeus) und Iris pseudacorus (Wasser-Schwertlilien) blühen. In diesem Bereich des Reichenbachs können wir mit etwas Glück auch die Wasseramsel beobachten. Auch der Pfiff des Eisvogels ist manchmal zu hören.

Über die Obere Kleinmichelesmühle, in der bis Mitte 1970 noch gemahlen wurde, kommen wir zum Sägewerk Weidelich. In diesem Anwesen befindet sich auch die Untere Kleinmichelesmühle, die sich hinter den Lagerflächen am Waldrand befindet. Kurz danach sind wir bei der letzten Mühle, der Burkhardtsmühle angelangt, an die sich die L 1185 anschließt, die zwischen Waldenbuch und Neuenhaus verläuft. Oberhalb des Talweges verläuft der asphaltierte Bundeswanderweg. Von der Burkhardtsmühle gehen an der Westseite einige Stufen nach oben zum Waldmeister-Biergartencafe, wo man bei einfachen Speisen und Getränken Mittagsrast machen kann.

Wanderzeit insgesamt 2 ½ Stunden. Durch intensive Naturbeobachtungen kann man auch länger brauchen. Nach der Rast führt der Weg in ca. 30 Minuten Gehzeit auf dem asphaltierten Weg in westlicher Richtung weiter bis zum Waldenbucher Stadtteil Liebenau. Dort befindet sich eine Bus-Haltestelle, von der aus wir mit ÖPNV zum Ausgangspunkt nach Musberg zurückfahren können.

Von Karl Stäbler

Wanderkarte: L 7320 Stuttgart-Süd, 1:50.000
Literatur: Guest Guide „Traumtouren im Siebenmühlental“ der Stadt Leinfelden-Echterdingen (in den Rathäusern Leinfelden oder Echterdingen kostenlos erhältlich); Nikolaus Back, Karl Stäbler, Bernd Klagholz: Wandern mit der „neuen Filderbahn“ von Bernhausen ins Siebenmühlental, Schwäbische Heimat, 2002/2; Das Siebenmühlental, Bilder und Geschichten, Veröffentlichungen des Stadtarchivs Leinfelden-Echterdingen, Band 10; Thomas Geidel: Das letzte Mühlrad dreht sich noch, Geschichte und Geschichten um die elf Mühlen im Siebenmühlental, Verlag Karl Scharr, Stuttgart

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