Landesfest-Wimpelwanderung 2013

Thema Landesfest 2013 Artikel 7 von 7

Von Bad Friedrichshall nach Plochingen

3. Juni 2013, 1. Tag: Bad Friedrichshall – Kochendorf – Weinsberg

Nach vielen Tagen mit Regen und vielfachen Überschwemmungen, vor allem auch am Neckar, änderte sich zu Beginn unserer »Landesfest-Wimpelwanderung» das Wetter, und wir konnten zuversichtlich gestimmt am 3. Juni in Bad Friedrichshall starten.

Nach einem Empfang bei Herrn Bürgermeister Dolderer im Rathaus und der feierlichen Übergabe des »Landesfestwimpels» begannen wir, sieben ständige Wimpelwanderer, den ganzen Tag begleitet von Herrn BM Dolderer und weiteren Wanderfreunden aus Bad Friedrichshall, unsere Wanderung. Sie führte in östlicher Richtung zur Siedlung Plattenwald, weiter über Mönchswald nach Gellmersbach. Die dortige Leonhardskirche ist mit einer Kette umspannt und wurde dadurch zu einer »Kettenkirche». Sie hatte nach dem 2. Weltkrieg eine Notglocke, die noch heute sichtbar an der Außenfront angebracht ist.

Durch die herrlichen und weitläufigen Parkanlagen von Weißenhof (Psychiatrisches Zentrum) wurde durch Weinberge die Stadt Weinsberg mit ihrer Burg »Weibertreu» angewandert.

An der »Stauferstele» unterhalb der Burg wurden wir von einer von Dr. Lay vom Weinbauinstitut kommentierten Kernerweinprobe und Brezeln überrascht. Frau Eberle, gekleidet im Gewand einer Bürgersfrau aus der Zeit des Dichters und Arztes Justinus Kerner, führte anschließend gekonnt und humorvoll unsere Wandergruppe in der Burg Weibertreu, erzählte dabei verschiedene Geschichten und Anekdoten. Am frühen Abend, auf dem Weg zur Pension, kam auch die Sonne hinter den Wolken hervor. Später traf man sich nochmals mit zahlreichen Wanderfreunden aus Weinsberg und ließ den ersten Wandertag froh und gemütlich bei einem »Viertele»ausklingen.

4. Juni 2013, 2. Tag: Weinsberg  –  Naturfreundehaus »Steinknickle»

Die Sonne schien, und es war schon recht warm, als wir – inzwischen war unsere ständige Truppe auf neun Wimpelwanderer, die bis Plochingen dabei sein wollten, angewachsen – begleitet von drei Wanderfreunden aus Weinsberg zur zweiten Etappe aufbrachen. Sie führte zum Stämmlesbrunnen und durch das Stadtseetal auf dem HW 8, dem Frankenweg zur Reisbergbrücke (Brücke über die A 81).

Dort warteten zwei Wanderführer der Ortsgruppe Obersulm, die uns sowohl durch schöne und Schatten spendende Wälder, als auch auf einer alten Römerstraße zum »Teusserbad» bei Löwenstein brachten.

Während der Mittagspause beim Teusserbad hatten wir einen Presse- und Fototermin.

Gestärkt ging es, begleitet von zwei Wanderfreunden der Ortsgruppe Löwenstein zuerst über ca. 200 Treppenstufen hoch in den Ort, vorbei am Geburtshaus von Friederike Hauffe, als »Seherin von Prevorst»berühmt geworden, heute »Manfred-Kyber-Museum»und teilweise durch den Wald weiter zur Burg Löwenstein und einem herrlichen Aussichtspunkt, der eine 180 Grad Aussicht ermöglichte. In der Ferne sah man den »Katzenbuckel». Die Wanderung führte weiter über Hirrweiler, Horkenberg zum »Chausseehaus», wo die Wanderführer aus Wüstenrot uns empfingen und über Bernbach, den Ortsteil Hasenhof zum Naturfreundehaus »Steinknickle» brachten.

Außerhalb des Ortsteils Hasenhof wurden wir und unsere Augen mit einer herrlichen Orchideenwiese für unsere Mühen an diesem Tag belohnt.

Auch dieser Wandertag endete gemütlich bei einer Einkehr im Kreise der zahlreichen Wanderfreunde aus Neuhütten und Umgebung und später noch im Naturfreundehaus Steinknickle.

5. Juni 2013, 3. Tag: »Steinknickle»– Sulzbach/Murr  – WH Eschelhof

Bei schönstem Wetter starteten wir zum dritten Wandertag. Hervorragend geführt und informiert von Adolf Feucht aus Neuhütten, wanderten wir vorbei an prächtig blühenden Blumenwiesen, kleinen Teichen zum »Finsterroter See». Nach kurzem Aufenthalt und Verschnaufen ging es weiter durch Finsterrot, Kuhnweiler auf wunderschönen Wegen durch den Wald zur »Seewiese».

Nun waren wir im Rems-Murr-Gau angekommen. Bei der Seewiese gab’s Getränke, Kaffee und kleine Imbisshappen, was für eine willkommene, angenehme Überraschung sorgte; bei den herrschenden Temperaturen durchaus angebracht. Wir waren dafür sehr dankbar.

Mit Helmut Winter aus Sulzbach an der Murr wanderten wir auf mit herrlichen Blumenwiesen gesäumten Wegen nach Großhöchberg zur Mittagspause mit Einkehr im »Kabirinett», einem kleinen Theater. Dort gab es gekühlte Getränke, das mitgebrachte  Vesper wurde dabei verzehrt. Ausgeruht und gestärkt ging es durch Kleinhöchberg hindurch, und der Abstieg im Wald nach Sulzbach an der Murr nahte.

Nach dem Fototermin beim Schloss steuerten wir das Rathaus an, vor dem bereits Herr Bürgermeister Zahn wartete. Er lud uns ins Café ein. Dort informierte er über seine Stadt, und es entwickelten sich schöne Gespräche in der Runde. Nach dem Eintrag in unsere mitgeführte Dokumentation wurde ein Gruppenfoto vor dem Rathaus gemacht.

Nun kam der Aufstieg über Ittenberg zum Wanderheim Eschelhof. Dieser Anstieg war nochmals eine Schweiß treibende Angelegenheit bei diesen Temperaturen (ca. 27 Grad).

Der Abend im Eschelhof wurde sehr stimmungsvoll und erlebnisreich mit Musik und gemeinsamem Singen von Wanderliedern, begleitet vom Akkordeon und Mundharfe geradezu gefeiert. Für mich war es der, vom Wander- und Naturerlebnis gesehen, der schönste Wandertrag, der so stimmungsvoll und harmonisch endete.

6. Juni 2013, 4. Tag: WH Eschelhof – Backnang  – Winnenden

Auch am vierten Wandertag grüßte die Sonne, als wir das Wanderheim Eschelhof in Richtung Backnang verließen. Begleitet und geführt von Wanderfreunden aus Backnang und Winnenden, wanderten wir über Floßhau, Zell, Plattenwald, im Schatten der Murr entlang, vorbei am Freibad, an Fabrikgebäuden und Villen geradewegs zum Rathaus, wo wir von Herrn Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper und dem Gauvorsitzenden des Rems-Murr-Gaus, Roland Luther empfangen wurden. Nach dem offiziellen Pressetermin und Foto vor dem Rathaus informierte Herr Dr. Nopper über seine Stadt Backnang, den Gänselieselbrunnen beim Rathaus und später im historischen Sitzungssaal des Rathauses über einige berühmte Ehrenbürger der Stadt.

Ein wirklich angenehmer, informativer und schöner Aufenthalt im Rathaus von Backnang. Für unseren Besuch und Empfang hatte sich der OB eine ganze Stunde Zeit genommen. Er regte dabei an, eines der nächsten Landesfeste in seiner Stadt abzuhalten und zu feiern.

Gestärkt mit Getränken und Brezeln spazierten wir wiederum an dem Fluss Murr und ehemaligen Lederfabriken entlang zur Mittagseinkehr.

Danach wartete ein Sonderbus, der uns zum Aussichtsturm und -punkt »Galgenberg» brachte. Eine herrliche Aussicht in die nahe und weitere Entfernung – auch zur Schwäbischen Alb mit dem Hohen-Neuffen – lohnte den Aufstieg im Turm.

Auf kurzer Fahrt brachte uns der Bus anschließend zum »Stöckenhof». Dort warteten ca. 30 Wanderfreundinnen und -freunde der Ortsgruppe Winnenden, die die Wanderung unter der Führung von Barbara Baumann, über den Ort Bürg, dem Panoramaweg – wiederum mit herrlicher Aus- und Fernsicht –  durch Baach und Hofen geradewegs ins Zentrum von Winnenden, mitmachten. Reinhold Layer, der Vorsitzende der Ortsgruppe Winnenden, erklärte und führte durch die Innenstadt und brachte die große Wandergruppe ins Neue Rathaus zum Empfang im Sitzungssaal mit Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth. Der Weiterweg führte zum Schloss Winnental, durch den schönen Schlosspark zur Schlosskirche mit dem, als Kleinod zu bezeichnenden, ganz in Holz geschnitzten Altar aus der Zeit um 1500.

Nach dem Abendessen im Zentrum von Winnenden spazierten wir zur Übernachtung ins am Stadtrand liegende Hotel.

7. Juni 2013, 5. Tag: Winnenden – Plochingen

Unser fünfter und letzter Wandertag begann mit dem Verladen des Gepäcks in unser Begleitfahrzeug, das uns mit seinem Fahrer Günther Böhm während der Wandertage gute und treue Dienste erwies.

Es war wieder warm, und die Sonne schien, machte also Laune auf die letzten Kilometer. Zuerst fuhren wir in unserem Begleitfahrzeug und einen weiteren Fahrzeug nach Hanweiler und weiter zum Parkplatz unter dem »Korber Kopf», auf den wir anschließend hinaufwanderten und mit einer grandiosen Aussicht belohnt wurden. Mit dem Auto ging’s weiter durch Endersbach, dort kauften wir Vesper und Getränke, nach Strümpfelbach. Hier verließen wir die Autos und wanderten durch das wirklich sehenswerte, mit vielen Fachwerkhäusern gesegnete und gesäumte Weindorf Strümpfelbach.

Den steilen Aufstieg zum Schurwald nach Aichwald-Schanbach überwanden wir ebenfalls in den Autos.

In Schanbach war Mittagspause, bei der wir uns sonnen konnten. Bald warteten die Wanderführer aus Schanbach, die uns durch den Wald über »Schreiershau» und »Saisleshau» zum Ortsteil »Stumpenhof» nach Plochingen brachten.

Nachdem wir ein wenig ausgeruht und uns mit Kaffee, Kuchen und Eis gestärkt hatten, ging es auf den letzten Metern, mit dem Landesfestwimpel an der Spitze, zum Jubiläumsturm, wo wir vom Hauptausschuss des Schwäbischen Albvereins, Herrn Präsident Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß und Herrn Bürgermeister Frank Buß erwartet und freundlich empfangen wurden.

Die Wanderung im Neckartal, durch die Löwensteiner Berge, den Schwäbisch-Frankischen Wald, durch die Backnanger Bucht, das Remstal und hinauf zum Schurwald wurde wieder zu einem vollen Erfolg für das Wandern im und mit dem Schwäbischen Albverein. Die zahlreichen Begegnungen und Gespräche mit vielen Wanderfreunden auf der Strecke gab dem Projekt die Würze und wurde dadurch sehr interessant und erlebnisreich. Ein herrliches Natur- und Landschafts-, auch Kulturerlebnis mit zahlreichen Blumen- und Orchideenwiesen, kleinen Seen, Biotopen, freundlichen und sehr aufgeschlossenen Wanderführern und Menschen, malerischen Dörfern, wunderschönen und sehr informativen Empfängen liegt hinter uns. Dankbar für diesen erlebten ideellen Reichtum kehrten wir wieder in unsere Heimatorte zurück und rüsten uns, laden gleichzeitig für das nächste Jahr ein, wenn wir wieder als »Botschafter des Schwäbischen Albvereins und für das Wandern» von Plochingen in drei Wandertagen nach Reutlingen wandern werden.

Mit herzlichem Dank an alle Wanderführer und Mitglieder des Schwäbischen Albvereins, die zum hervorragenden Gelingen der »Landesfest-Wimpelwanderung 2013» beigetragen haben, endet mein Bericht. Auf ein Neues vom 28. Mai bis 30.Mai 2014!

Eugen Kramer

Präsidium und Gesamtvorstand gewählt

Thema Landesfest 2013 Artikel 6 von 7

Bei der Hauptausschusssitzung des Schwäbischen Albvereins am 8. Juni im Rahmen des Landesfestes zum 125-jährigen Jubiläum in Plochingen wurde das Präsidium neu gewählt. Präsident Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß sowie die beiden Vizepräsidenten Reinhard Wolf und Hans-Jörg Schönherr wurden für weitere vier Jahre in ihrem Amt bestätigt. Rolf-Walther Schmid, Vorsitzender des Stuttgarter Gaus, und Manfred Stingel, Kulturratsvorsitzender, wurden als Beisitzer wiedergewählt. Zudem wurden zwei neue Beisitzer, Tanja Waidmann und Rolf Kesenheimer, gewählt.

Im Bild sind alle Mitglieder des Präsidiums und des Gesamtvorstands zu sehen, von links Hauptjugendwart Michael Neudörffer, Vizepräsident Reinhard Wolf, Präsident Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Vizepräsident Hans-Jörg Schönherr, Ehrenpräsident Peter Stoll (sitzend), Tanja Waidmann, Manfred Stingel, Rolf Kesenheimer, Rolf-Walther Schmid.

Gedicht und Rede des Landtagspräsidenten Guido Wolf

Thema Landesfest 2013 Artikel 5 von 7

Landtagspräsident Guido Wolf hielt nicht nur eine Rede beim Landesfest
 am 9. Juni 2013 in der Stadthalle Plochingen, die wir hier veröffentlichen, er schenkte dem Schwäbischen Albverein auch ein Gedicht:

Bist Du im Herzen, wie mir schien, politisch nicht, nein seelisch grün,

bist heimat- und naturverbunden, du, weil dieselbe oft geschunden,

willst nicht allein, sondern mit andern,du gerne die Natur durchwandern,

willst du in allen Lebensjahren, die Schöpfung achten und bewahren,

nichts andr ́es kann dann besser sein: Werd ́ Mitglied im Schwäbischen Albverein!

Die Gründer des „Schwäbischen Albvereins“ anno 1888 waren wahrscheinlich vieles – aber eines waren sie sicher nicht: Pessimisten! Sie sind Optimisten gewesen, Kulturoptimisten sogar – um sie intellektueller, aber auch treffender zu charakterisieren. Dieser Kulturoptimismus hat 125 Jahre im Original überdauert. Das spüren wir alle. Und „gradheraus“, wie ich halt so bin, bekenne ich unumwunden: Das imponiert mir am „Schwäbische Albverein“ besonders! Schon deshalb fühle ich mich ihm sehr verbunden. Entsprechend gern habe ich es übernommen, auf diesem „Jubiläums-Landesfest“ das Land Baden-Württemberg zu vertreten.

Der Herr Ministerpräsident hat Ihnen ja bereits beim großen Festakt am 4. Mai zum stolzen Jubiläum offiziell gratuliert. Sehen Sie es daher der Landesregierung bitte nach, dass sie heute niemand aus ihren Reihen entsenden konnte. Oder besser: Betrachten Sie es als zusätzliches Zeichen der Wertschätzung, dass Ihnen nunmehr auch der Landtag – die „Erste Staatsgewalt“– verdientermaßen die Reverenz erweist.

Selbst langjährige Mitglieder unter Ihnen werden es freilich noch nicht oft gehört haben, dass ein Politiker den „Schwäbischen Albverein“ würdigt als Manifestation einer optimistischen – genauer: einer kulturoptimistischen – Haltung. Schwarzseherisch und verdrossen zu sein, macht eben mehr her. Es gilt geradezu als Ausweis eines geschärften Verantwortungsbewusstseins. Manche scheinen sich folglich nur dann wohlzufühlen, wenn sie sich unwohl fühlen.

Oder ernsthafter: Die sogenannte Entfremdung des Menschen von Gott, von der Natur, ja von sich selbst – das zählte spätestens seit der Romantik zu den Lieblingsthemen unserer Dichter, Denker und sonstigen Geistesgrößen. Die wenigsten von ihnen fanden jedoch eine vorwärtsgerichtete, lebensbejahende und trotzdem bodenständige Lösung.

Doch die gibt es! Der „Schwäbische Albverein“ steht seit 1888 mustergültig dafür! Er beweist: Technischer Fortschritt und zunehmende zivilisatorische Errungenschaften bedeuten nicht zwangsläufig, dass sich die oder der Einzelne von der Natur verabschieden muss. Es existiert ein hoch wirksames und gleichwohl risikofreies Gegenmittel: eben, sich dem „Schwäbischen Albverein“ anzuschließen! Man muss da nicht seinen Arzt oder Apotheker konsultieren, denn früher zumindest war es für die und alle anderen Honoratioren „Ehrensache“, selber Albvereinsmitglied zu sein.

Auch wenn es ein bißchen brachial klingt: Wer in den „Schwäbischen Albverein“ eintritt, der tritt zugleich eine virtuelle Mauer ein: Er schafft sich faktisch und mental einen Zugang zur Natur; zur Kulturlandschaft; zum Kern dessen, was wir mit dem Begriff „Heimat“ meinen; oder kurz: zu vielem, was wir Menschen außerhalb unserer Familie und außerhalb unserer „vier Wände“ für unser Seelenheil benötigen.

Apropos: Seelenheil. Da dieses „Landesfest“ – wie bei den großen Veranstaltungen des „Schwäbischen Albvereins“ üblich – mit einem ökumenischen Gottesdienst begonnen hat und da mit offenen Augen kundig und achtsam durch unsere Natur zu wandern ein sehr gottgefälliges Tun ist, darf man betonen, dass der „Schwäbische Albverein“ überdies der Entfremdung des Menschen in vertikaler Richtung vorbeugt. Was beinhaltet: Sonntagmorgens mit dem Schwäbischen Albverein auf Tour zu gehen und deshalb den Kirchgang zu „schwänzen“, erhöht nicht die Punktzahl im „da oben“ geführten Sündenregister. Ja, Wandern ist „Beten mit den Füßen“ – weil es den Respekt vor der Schöpfung und vor der eigenen Kultur fördert. Oder profaner, aber dafür mit unserem Landsmann Friedrich Schiller gesagt: „Der gebildete Mensch macht sich die Natur zu seinem Freund.“

Mit der Natur dauerhaft Freundschaft zu schließen, das ist aber – wie jede Art von Bildung – nicht zuletzt eine Frage des Willens. Präziser formuliert: der Willenskraft! Im Grunde müssen wir die erste und zweite Generation der Albvereinsmitglieder bereits deshalb sehr bewundern.

Der „Brockhaus“ von 1913 hat das Stichwort „Freizeit“ nicht gekannt. Trotzdem brachten es Menschen auf die „Reihe“, regelmäßig sonntags Wandern zu gehen, Ortsgruppen des Albvereins aufzubauen, sich dort gesellig zu treffen. Das war zum einen: „Idealismus pur“! Und das war zum anderen: gelebte und praktizierte Freiheit! Wer „zum Albverein“ ging, wer gar dort ein Amt übernahm, der schloss sich einer souveränen Gemeinschaft an – der nutzte seine bürgerliche Freiheit. Im „Albverein“ zu sein – das hatte „was“. In der Selbstwahrnehmung des Einzelnen. Und in den Augen der Mitmenschen.

Übrigens, Stichwort „Bildung“: Damals war es noch selbstverständlich, so elementare Dinge wie den Unterschied zwischen einer Buche und einer Eiche zu kennen. Würde man jetzt in einer PISA-Studie das Wissen über unsere heimischen Wildtiere und Wildpflanzen, über unsere Natur und unsere Landschaften untersuchen, dann kämen wohl eher unerfreuliche Ergebnisse heraus. Trotz der riesigen Informationsmöglichkeiten trocknet die Allgemeinbildung aus! Auch ich freue mich deshalb, dass der „Schwäbische Albverein“ an einer Renaissance des Schulwanderns arbeitet und beim Kultusministerium mit sympathischer Penetranz „bohrt“. Schulwandern nicht als Auszeit vom Lernen, sondern als Eintauchen in die „Welt des Wissens“.

Hinzu kommt: Die Durchblutung unseres Gehirns korrespondiert bekanntlich mit der Durchblutung unserer Waden – und die wird beim Wandern bestens gefördert. In jedem Lebensalter! Das Gesundheitswandern ist eine Chance für den „Schwäbischen Albverein“ – und er hat sie erkannt. Oder frei nach Schiller: Der kluge Wanderverein macht sich den gesellschaftlichen Bedarf zu seinem Freund.

Albvereinsmitglied zu sein, das büßte so vor 40, 45 Jahren – ich sage nicht „1968“ – seinen hohen Rang im kollektiven Empfinden ein. Individualität wurde zur Maßeinheit der Freiheit. Je individueller, je freier – Soziologen nennen das „Entstandardisierung“. Inzwischen wissen wir allerdings: „Entstandardisierung“ ist – anders als die Mitgliedschaft im Albverein – eine „Therapie“ mit erheblichen Risiken und Nebenwirkungen.

Wesentliches erodiert, wenn jeder sein Glück in der Bindungslosigkeit zu schmieden versucht und seine Freiheit möglichst unabhängig von anderen nutzen will.

Diese gesellschaftliche Entwicklung stürzte den „Schwäbischen Albverein“ jedoch – gottlob – nicht in Selbstzweifel. „Wanderwetter ist immer“ – das gilt bei ihm nicht nur meteorologisch, sondern auch in Bezug auf das soziale Klima. Der „Albverein“ blieb sich treu – selbst wenn der „wetterwendische“ Zeitgeist zu einem veritablen Gegenwind wurde. Das heißt: Seit 125 Jahren – und zwar durchgängig – begreift man im „Schwäbischen Albverein“ Freiheit nicht als individualistisches oder gar egoistisches Phänomen. Nein, man vergrößert die eigene Freiheit durch die aktive und bewusste Gemeinschaft! „Chapeau!“

Ursächlich für die irgendwann abnehmende Attraktivität des Wanderns im Verein waren selbstverständlich auch das Wirtschaftswunder und die allgemeine Motorisierung. Das Wandern bekam schlicht mannigfaltige Konkurrenz – und die hatte nicht nur den Reiz des Neuen auf ihrer Seite, sondern auch die Chance, den erarbeiteten persönlichen Wohlstand besser demonstrieren zu können.

Wir alle – zumindest wenn wir vor 1968 geboren worden sind – haben das Volkslied auf den Lippen: „Froh zu sein bedarf es wenig / Und wer froh ist, ist ein König.“ Und tatsächlich: Wer mit einer Ortsgruppe des „Schwäbischen Albvereins“ loswandert, fühlt sich schon nach wenigen Metern wie ein König. Oder wie eine Königin. Allein: Niemand sieht’s.

Keine knapp bekleideten Animateure männlichen oder weiblichen Geschlechts, „nur“ wege- und wirtshauskundige Wanderführer; kein Kitzel von Mode- oder gar Extremsportarten, „nur“ das wache, genießende Durchmessen von Wald und Flur in einem wohltemperierten Tempo – diese vermeintliche Biederkeit war das Problem des Wanderns.

Wohlgemerkt: war! Inzwischen verschafft das Wandern wieder dezidiert Sozialprestige. Aber wenn zwei das Gleiche tun, ist es eben nicht automatisch dasselbe. Auch beim Wandern nicht. In aller Vorsicht gesprochen: Wenn er nicht aufpasst, klebt der „Solo-Trendwanderer“ in jener Rolle fest, die uns permanent, aber mit problematischen Folgen als die höchste Form menschlicher Erfüllung suggeriert wird: die Rolle des Konsumenten. Beim Albverein hingegen wandert immer etwas Spezifisches mit: die Freundschaft – im Sinne Schillers – zur Natur und zur Kultur!

Weniger lyrisch ausgedrückt: Seit 1888 schafft und erhält der „Schwäbische Albverein“ die Voraussetzungen seines Tuns selbst. Er verbraucht nicht, was er nutzt – im Gegenteil: Er sorgt engagiert dafür; ja, er mehrt es! Das moderne Wort „Bürgerbeteiligung“ ist ein viel zu schwacher Begriff für den Impetus des „Schwäbischen Albvereins“. Wo er aktiv ist, geht es all dem, was wir „Heimat“ nennen, besser! Und damit geht es unserem Land besser!
Wirklich: Unserer Landschaft, unseren Natur- oder Baudenkmalen, unseren ökologisch hochwertigen Flächen, aber auch unserem Brauchtum oder unserer Mundart kann nichts Segensreicheres passieren, als dass sich der Albverein darum kümmert.

Und: dass er unsere Kinder und Jugendlichen dafür begeistert. Ich finde es großartig, wie er das macht. Zum Beispiel, dass er die Technikaffinität der jungen Generation ohne Berührungsängste aufgreift, also das Analoge und das Digitale in ein wechselseitig fruchtbares Verhältnis bringt. Mit satellitengestütztem GPS „zurück zur Natur“ – das ist cool! „Megacool!“ Und: pädagogisch wertvoll. Da wäre selbst Jean Jacques Rousseau in Wanderschuhen wortwörtlich aus dem Häuschen. Und wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis der „Albverein“ als Jahresgabe – statt der traditionellen Wanderkarten – „Wander-Apps“ fürs Smartphone spendiert.

Wie eingangs angedeutet: Könnten die Gründer des „Schwäbischen Albvereins“ zurückkommen, würden sie unseren Alltag und unsere technischen Möglichkeiten ungläubig bestaunen – einschließlich der Hightech-Outdoorkleidung, die es heute gibt. IHREN „Albverein“ jedoch – den würden sie sofort wieder erkennen: am Geist, der dort herrscht! Also an Ihrem Geist, meine Damen und Herren!

Der „Schwäbische Albverein“ erklärte sich zum „Strukturpolitiker“, als es die Wortschöpfung noch gar nicht gab! Und er verschrieb sich der „Symbiose von Ökonomie und Ökologie“ , ohne dass ihm die Begriffe bewusst waren.

Das wiederum bedeutet, und zwar ohne jene Übertreibungen, zu denen man an Jubiläen bisweilen neigt: Es ist in besonderer Weise ein Verdienst des „Schwäbischen Albvereins“, dass wir die „Schwäbische Alb“ heute als ein wirkliches Muster gilt für einen vernünftig austarierten Dreiklang „Schutz durch Nutzung – Schutz mit Nutzung – Schutz vor Nutzung“!

Ja, die Schwäbische Alb hat Karriere gemacht – nicht als ein modernistisches „Freizeitressort“, sondern als „Schwäbische Alb“. Sie war das „Aschenputtel“ unter unseren Landschaften – und der „Schwäbische Albverein“ ist der Königssohn, der sie entdeckt hat. Und das – in Zeiten von RTL und SAT 1 glaubt man es – ganz ohne „Castingshow“ mit Heidi Klum.

UNSER „Biosphärengebiet“ – ich nenne es gerne so: UNSER „Biosphärengebiet“ ist ein Modell, wie sich Natur- und Umweltschutz erfolgreich mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der dort lebenden Menschen verknüpften lässt. Ein strukturpolitisches Meisterstück! Und zu dessen Protagonisten zählte der „Schwäbische Albverein“dankenswerterweise vorbehaltlos und nachdrücklich! Vor allem: Das Projekt wurde in einem breiten Konsens realisiert! Das geschah, indem man vor Ort in unzähligen Gesprächen Konzepte entwickelte. Und die überzeugten – nicht zuletzt wegen des Verfahrens. Ursprünglich sollte das „Biosphärengebiet“ aus dem alten Münsinger Truppenübungsplatz und drei Gemeinden bestehen und 20.000 Hektar groß werden; am Ende beteiligten sich 18 Kommunen mit 85.000 Hektar Fläche. Wir sehen: Auch solche Leuchtturmprojekte lassen sich – von Stuttgart aus angestoßen – verwirklichen.

Aber ich möchte mich nicht in der Tagespolitik verlieren – sondern lieber würdigen, dass der Name „Schwäbischer Albverein“ zu den sympathischsten Untertreibungen gehört, die man sich denken kann.

  • „Schwäbischer Albverein“ – das ist erstens mehr als Wandern! Viele seiner Ortsgruppen sind längst mit dem Rad oder auf Ski unterwegs – wohlgemerkt auch da in Freundschaft mit der Natur. Und vor allem: Der Schwäbische Albverein gehört zu unseren Kulturträgern. Man kann es durchaus ohne Krampfhusten in einem Atemzug sagen: In Marbach gibt es das „Deutsche Literaturarchiv und in Balingen- Dürrwangen das Schwäbische Kulturarchiv des Albvereins!
  • Der „Schwäbischer Albverein“ – das ist zweitens mehr als „Schwäbische Alb“! Bei aller Wanderlust: Seine Ortsgruppen empfinden die Gemarkung vor der Haustüre als ihr Revier – als ihr „Heimatrevier“, wo sie Erhaltungsaufgaben übernehmen, zum gesellschaftlichen Leben beitragen oder sich an der jährlichen Flurputzete beteiligen.
  •  Und: „Schwäbischer Albverein“ – das ist drittens mehr als ein Verein – nämlich: seit fast zwanzig Jahren ein anerkannter Naturschutzverband! Genauer ein „Naturschutzverband plus“ – er nimmt diese Funktion nicht lediglich mit Worten wahr; er „schafft“ mit der Hand am Arm.

Die Landespolitik und die Behörden auf allen Ebenen sind dankbar, dass sie im „Schwäbischen Albverein“ einen so exzellenten, tatkräftigen und soliden Partner haben im Naturschutz, beim Landschaftserhalt, im Tourismus und in der kulturellen Heimatpflege.

Wir schätzen am Albverein seine Leidenschaft, seine Zuverlässigkeit, sein Augenmaß und seinen Pragmatismus. Wir betrachten es deshalb überhaupt nicht als Drohung, das er sich stärker politisch einmischen möchte. Im Gegenteil! Denn schon heute ist anerkannt: Wenn der „Schwäbische Albverein“ argumentativ am sperrigsten erscheint, ist er praktisch am wohlmeinendsten.

So lehrt er uns im Prinzip bereits seit 125 Jahren, dass wir nicht trennen dürfen zwischen der Naturlandschaft, die wir hegen und pflegen, und einer Wirtschaftslandschaft, bei der – fälschlicherweise – nur effiziente Nutzbarkeit und bestmögliche Erschließung zählen und an die sonst keine Anforderungen gestellt werden. Und dieses integrierende Verständnis des „Albvereins“ wird immer zielführender.

Keine Frage: Wir brauchen ein effektiveres Flächenmanagement. Diese Einsicht erhält ja durch die verheerenden Flutkatastrophen in Ostdeutschland, in Norddeutschland und in Bayern momentan – hoffentlich auf Dauer – politische Schubkraft. Dazu habe ich einen Zeitungskommentar gelesen, der meines Erachtens den Kern herausschält. Der Autor fragte, warum München eigentlich vom Hochwasser kaum betroffen wurde? Und er zeigte auf, dass zweierlei zusammenwirkte: einerseits ein großer Eingriff in die natürliche Flusswelt: der Sylvensteinspeicher, mit dessen Hilfe sich die Isar regulieren lässt; und andererseits, dass die Isar mit hohem Aufwand renaturiert worden ist und etliches von ihrem angestammten Platz zurückbekommen hat.

Ich bin nur körperlich blauäugig, aber nicht mental – deshalb behaupte ich nicht, dass der Kommentor ein Patentrezept skizziert hat, das man lediglich x-fach kopieren muss. Aber er hat meines Erachtens etwas Zentrales benannt– und das ist: Wir dürfen weder in der einen noch in der anderen Richtung unser Heil fundamentalistisch suchen. Uns muss vielmehr gelingen, den ökologischen Ansatz und die Möglichkeiten des technisch Machbaren optimal zu kombinieren – in praktische Konkordanz zu bringen, wie wir Juristen in solchen Konstellationen sagen. Öko-Purismus ist ebenso falsch wie schiere, einfältige Technikgläubigkeit. Oder um einen anderen klugen Beobachter zu zitieren: „Der moderne Mensch wird es nicht schaffen, Wasser nur noch als sanft plätschernde, computergesteuerte Springbrunnen zu erleben. Das Gegenidyll, in dem wir Flüssen und Seen die alte Freiheit wiedergeben, um fortan in Eintracht mit ihnen zu leben, wird es auch nicht geben – denn dieses Idyll hat es nie gegeben: In Aufzeichnungen aus früheren Jahrhunderten können wir nachlesen, wie grausam die Fluten damals schon zuschlugen.“

Für mich heißt das – in zwei Sätzen gesagt: Wir brauchen dringend eine unideologische Entschlossenheit! Und ich bin sicher: Da haben wir den „Schwäbischen Albverein“ an unserer Seite!

Es gilt also mehr denn je – und ich sag ́s noch einmal angelehnt an Schiller: Der verantwortungsvolle Politiker macht sich den „Schwäbischen Albverein“ zu seinem Freund. In diesem Sinn begleiten Sie meine besten Wünsche bei all Ihren Aktivitäten, insbesondere natürlich auf Ihren Wanderungen.

Meine guten Wünsche sind sozusagen ein mentaler Proviant, der Ihre Rucksäcke nicht beschwert, von dem Sie allerdings auch nicht herunterbeißen können. Ich hoffe aber, dass Sie meine optimistische – ja, kulturoptimistische – Verbundenheit trotzdem stärkt – und vor allem: bestärkt in Ihrem Bekenntnis für den „Schwäbischen Albverein“! Sie sind nicht nur Mitglieder des zahlenmäßig größten Wandervereins in Europa – Sie sind Mitglieder eines wirklich großen Vereins!

 

Ansprachen Jahreshauptversammlung 2013

Thema Landesfest 2013 Artikel 4 von 7

 Stadthalle Plochingen, 9. Juni 2013

Ansprache des Landrats Heinz Eininger

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident Guido Wolf,

sehr geehrte Herren Abgeordnete,

sehr geehrter Herr Präsident Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß,

sehr geehrte Präsidenten anderer Verbände,

sehr geehrter Herr Gauvorsitzender Hempel,

sehr geehrte Mitglieder und Freunde des Schwäbischen Albvereins,

verehrte Festversammlung,

„SAV is coming home“, würde man in der Fußballsprache sagen, wenn man das umschreiben will, was hier und heute geschieht. Wir alle kommen – fast auf den Tag und fast auf den Ort genau – zusammen, um im Rahmen der Jahreshauptversammlung und des Landesfestes 2013 das Jubiläum zum 125jährigen Bestehen des Schwäbischen Albvereins zu begehen. Was damals das Gasthaus zum „Waldhorn“ in Plochingen war, ist für uns heute die Stadthalle und statt 12 Männern sitzen wir heute in deutlich größerer Runde beisammen.

Als Landrat des Landkreises Esslingen bin ich fast ein wenig stolz darauf, dass die Wiege des größten europäischen Wandervereins hier bei uns mitten im Landkreis liegt; wohl wissend, dass ich mich dabei ein klein wenig mit fremden Federn schmücke.

125 Jahre sind eine lange Zeit, in der sich der Schwäbische Albverein nicht nur bewährt, sondern kontinuierlich weiter entwickelt hat. Ich möchte sogar behaupten, dass der Schwäbische Albverein einer der „komplettesten“ Vereine überhaupt ist. Sie haben eine Bandbreite an Themenfeldern und Menschengruppen, die auch auf internationaler Bühne ihresgleichen sucht. Aus dem Zusammenschluss von sieben örtlichen Verschönerungsvereinen wurde sehr rasch ein aktiver Wanderverein, der sich Stück für Stück die gesamte Schwäbische Alb erschloss.

Und wenn ich ihr heutiges Spektrum betrachte, bin ich jedes Mal wieder beeindruckt, in wie vielen Bereichen des heutigen Lebens Sie Aktivitäten entfalten.

–      Sie haben sich der Gesundheitsförderung verschrieben,

–      sind überaus aktiv in der Bewahrung und Pflege unserer Natur,

–      Sie sind vielfältig in der Bewahrung unseres kulturellen Erbes unterwegs,

–      wenden sich an die ganze Familie und alles Altersgruppen, vom Kinderwagen bis zur Gehhilfe und

–      betreiben eine eigene Heimat- und Wanderakademie.

Ihnen und Ihren vielen, vielen Mitgliedern gelingt es tagtäglich, Tradition und Brauchtum lebendig zu halten und in die heutige Zeit zu überführen. Wie heißt es so schön: „Traditionen sind wie Straßenlaternen; sie leuchten den Weg aus. Nur Betrunkene halten sich an ihnen fest.“

Mit Ihrem vielfältigen Engagement tun Sie genau dies. Sie bewahren die Traditionen ohne ihr die Käseglocke historischer Verklärung überzustülpen. Sie sind Heimat für Wander-, Natur- und Kulturliebhaber aller Altersgruppen. Hierzu gratuliere ich Ihnen ganz besonders und danke Ihnen für Ihr großes Engagement.

Seit der Vereinsgründung hat sich vieles verändert. Wenn man in Ihrem äußerst gelungenen Buch zur 125-jährigen Vereinsgeschichte die historische Aufnahme des Jubiläumsturms in Plochingen aus dem Jahr 1938 betrachtet, stellt man fest, dass unsere hiesige Landschaft im Neckartal im Lauf der Jahre sehr viel an Freiflächen, Vielfalt und Natürlichkeit eingebüßt hat. Gerade hier, vor unserer Haustür, wurde die Landschaft sehr stark durch die Wirtschaft/Industrie und die entsprechende Infrastruktur geprägt.

Bei genauerem Hinschauen kann man jedoch auch feststellen, dass sich die Städte und Gemeinden dennoch ihren Charme und auch ihre landschaftlichen Reize erhalten haben. Wir alle können uns jederzeit die Schönheit der Umgebung und auch die historischen und kulturellen Reize der Stadt Plochingen erwandern und bei einem Blick vom Jubiläumsturm des Jahres 1938 unseren Blick über die weitere Landschaft schweifen lassen. Jeder, der das tut, wird feststellen, dass wir hier im Landkreis Esslingen auf einem besonders attraktiven Fleckchen Erde mit einem hohen Freizeit- und Erholungswert leben dürfen.

Noch attraktiver und geradezu atemberaubend ist die Natur und die Landschaft oben auf der Alb und insbesondere an der Albkante entlang. Der Albtrauf von Weilheim bis Kohlberg ist landschaftlich eines der reizvollsten Gebiete im ganzen Land. Hier erstreckt sich der Blick weit ins Tal und auf die im Albvorland gelegenen Streuobstwiesen. Gerade im Frühjahr ist dies eines der genussvollsten Erlebnisse, die ich mir vorstellen kann.

Mit hochattraktiven Wanderwegen, herrlichen Aussichtspunkten, der Burg Hohenneuffen und insbesondere mit dem Albvereins-Wanderheim auf der Teck haben wir ganz besondere Filetstücke im Landkreis. Nicht umsonst wurde der Alb-Nordrand-Weg (Hauptwanderweg 1) im Jahr 2009 als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ prämiert. Nun ist 2012 ein weiteres Prädikat dazugekommen: Der HW 1 ist einer von 14 „Top Trails of Germany“. Auch wenn das nicht gerade ein ur-schwäbischer Ausdruck ist, möchte ich sogar behaupten: Die Strecke in unserem Landkreis ist mit das Schönste was der Alb-Nordrand-Weg zu bieten hat.

Wir im Landkreis Esslingen dürfen auf eine jahrzehntelange bewährte und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ihnen, dem Schwäbischen Albverein und seinen Ortsgruppen zurückblicken. Gerade in den letzten Jahren hat sich diese Zusammenarbeit im Zuge der Ausweisung des Biosphärengebiets Schwäbische Alb nochmals intensiviert. Bei den Vorbereitungen zur Anerkennung nach Baden-Württembergischen Landesrecht, aber vor allem bei der anschließenden Anerkennung des Biosphärengebiets durch die UNESCO im Jahr 2009, haben Sie uns großartig unterstützt. Ihr Wanderwegenetz, Ihre örtlichen Kenntnisse und Ihre Einrichtungen, wie Aussichtstürme oder Wanderheime, gehören zu den Fundamenten eines nachhaltigen Erfolgs des Biosphärengebiets.

Gemeinsam ist es uns dabei unter anderem auch gelungen, die historischen Wanderwege, die heute durch Kernzonen des Biosphärengebiets führen, zu erhalten. Gerade auch in Fragen der zuverlässigen und benutzerfreundlichen Wege-Ausschilderung haben wir gerne auf Ihre jahrzehntelange Erfahrung zurückgegriffen. Auch hierfür gilt Ihnen mein ganz herzlicher Dank.

Sie und Ihre Mitglieder sind aber nicht nur engagierte Wanderer, Sie packen auch richtig zu, wenn es um den praktizierten Naturschutz geht. Nur beispielhaft möchte ich hier die Betreuung und Pflege von Naturdenkmalen und Naturschutzgebieten, wie das Schopflocher Torfmoor oder das Randecker Maar, Neuffener Heide nennen. Diese gemeinsamen Aktionen von Schwäbischem Albverein und Landkreis sind Ausdruck unseres gemeinschaftlichen Ziels, unsere wunderschöne Heimat für uns und für unsere Kinder und Enkel zu erhalten.

Ihnen allen, den Mitgliedern und Vorständen in den Ortsgruppe, den Kreisverbänden und dem „großen“ Schwäbischen Albverein danke ich für Ihr großartiges und vielfältiges Engagement und für die gute Zusammenarbeit.

Der heutigen Jahreshauptversammlung wünsche ich einen guten und harmonischen Verlauf sowie Ihnen und Ihren Familien noch ein erlebnisreiches Landesfest 2013.

Bericht des Hauptjugendwarts Michael Neudörffer

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident Wolf,

sehr geehrter Herr Landtagsvizepräsident Drexler,

sehr geehrter Herr Bürgermeister Buß,

sehr geehrter Herr Präsident,

sehr geehrte Ehrengäste,

liebe Wanderfreundinnen und Wanderfreunde,

es ist mir eine Ehre, in diesem so besonderen Jahr hier in Plochingen als Hauptjugendwart vor Ihnen stehen zu dürfen.
 Nachdem mein letzter Bericht bei Ihnen für erhöhte Aufmerksamkeit sorgte, so hoffe ich nun, erhalte ich auch dieses Mal erneut Ihre volle Aufmerksamkeit, denn viel hat sich getan, seit ich das letzte Mal an dieser Stelle stand. Und auch in Zukunft werden wir mit dem Feuer der Begeisterung, das in uns brennt und unser aller ehrenamtlicher Engagement möglich macht, viel bewegen.

Zunächst kann ich Ihnen jedoch berichten, dass unsere Freizeiten und Zeltlager sich gut entwickeln und wir dabei noch höhere Teilnehmerzahlen zu verzeichnen haben als im vergangenen Jahr.
 Insbesondere freut mich, dass sowohl unsere jungen Freizeiten deutlich an Teilnehmern gewonnen haben, als auch unsere etablierten Zeltlager steigende Teilnehmerzahlen präsentieren.

Dies alles ist ein Beweis dafür, dass wir nicht nur eine gute Arbeit machen, sondern vor allem ein gutes Programm bieten. Dieses orientiert sich an unseren vier Leitbildern – zwischen Tradition und Moderne, Natur- und Umweltschutz, Soziales und demokratisches Handeln sowie Gemeinsam unterwegs.

Möglich ist dies alles nur, weil sich zahlreiche junge Menschen, in ihrer Freizeit, neben Schule, Studium und Beruf, bei uns engagieren, um anderen eine schöne „freie Zeit“ zu bereiten.

Es begeistert mich immer wieder zu sehen, wie leidenschaftlich motiviert unsere jungen Ehrenamtlichen, gleich welchen Alters, sind und sich ihrer Sache annehmen und wie viel Herzblut hier hineingesteckt wird.

Diesem Feuer, das in uns brennt, werden wir uns im kommenden Jahr widmen. Deshalb rufen wir 2014 das Jahr der Zusammenarbeit aus.

Denn Spiel, Spaß und Spannung entsteht bloß dort, wo wir gemeinsam und nicht alleine mit anderen zusammen sind, uns zusammentun und etwas bewegen, an dem wir Freude haben. In diesem Sinne möchten wir 2014 das Feuer in uns mit anderen teilen und weitergeben. Zu allen vier Zeiten des Jahres werden wir die Zusammenarbeit im Schwäbischen Albverein, der Schwäbischen Albvereinsjugend und mit anderen Vereinen und Organisationen suchen.

In Wort, Bild und Tat werden wir 2014 mehr denn je mit anderen die Zusammenarbeit, das Feuer das uns verbindet, suchen. Mit den Familien im Schwäbischen Albverein werden wir eine gemeinsame Vertreter- und Ausschusssitzung veranstalten und das gesamte Jahr über gemeinsame Vor-Ort Treffen in den Regionen abhalten, bei denen wir uns Ihnen vorstellen und zur Zusammenarbeit, zum gemeinsamen Tun anstiften möchten und Sie unterstützen.

Den Höhepunkt des nächsten Jahres wird im Sommer ein gemeinsames Wochenende mit der Jugend im Schwarzwaldverein auf dem FuchsFarmFestival bilden, zu dem wir unsere badischen Freundinnen und Freunde einladen.

Wenn im Herbst dann schließlich alle Freizeiten und Zeltlager vorüber sind, werden wir erstmals ein gemeinsames Wochenende aller auf unseren Freizeiten und Zeltlagern engagierten Ehrenamtlichen veranstalten.

Einstimmen auf das kommende Jahr werden wir uns bereits in diesem Jahr. In den nächsten Monaten werden wir Ihnen zunächst unsere Tätigkeit und vor allem die unserer Jugend- und Familiengeschäftsstelle sowie anschließend die Deutsche Wanderjugend vorstellen und damit unsere Möglichkeiten und Angebote der Zusammenarbeit in den Fokus rücken.

Weiter bringen wollen wir im Jahr der Zusammenarbeit auch das Thema Inklusion. Inklusion geht neben der Integration davon aus, dass jeder Mensch als Individuum etwas Besonderes ist und individuell behandelt werden muss, und so Begriffe wie „normal“, „behindert“ oder „Migrant“ keine Bedeutung haben. Unsere Gedanken hierzu sind aus dem Leitbild „Alle sind willkommen“ der Deutschen Wanderjugend heraus gewachsen.

Bereits auf unserer Frühjahrsvertreterversammlung in diesem Jahr haben wir hierzu erste Meinungen gesammelt und mögliche Ziele benannt, die wir 2014 und darüber hinaus, zusammen mit der Deutschen Wanderjugend, umsetzen wollen.

Zu den leichter umsetzbaren Zielen gehört es zum Beispiel, Berichte in leichter Sprache zu schreiben und bei unseren Veröffentlichungen, speziell dem Jahresprogramm, neben Sprache auch Symbole einzusetzen.
Für die Zukunft wollen wir jedoch vor allem Anforderungen wie auch unsere Möglichkeiten identifizieren. Das Jahr der Zusammenarbeit wird hierfür ein Auftakt sein.

Ein dritter Schwerpunkt, den wir auch bereits in diesem Jahr verfolgen, sind gut ausgebildete Ehrenamtliche. Auch im kommenden Jahr wird uns dieses Thema durch das Jahr der Zusammenarbeit begleiten.
 Als Anbieter von Kinder- und Jugenfreizeiten, Zeltlagern und zahlreichen Veranstaltungen das gesamte Jahr über haben wir sowohl den Teilnehmern als auch den bei uns ehrenamtlich Aktiven gegenüber eine große Verantwortung, unsere Angebote professionell durchzuführen wie auch alle Beteiligten in die Lage zu versetzen, dies zu tun – ganz entsprechend unserer Leitbilder.

Unser Ziel muss daher sein, bei uns eine natürliche Kultur der Fort- und Weiterbildung zu implementieren, so wie dies mittlerweile auch im Berufsleben selbstverständlich ist. Insbesondere bei unseren Freizeitmitarbeitern wollen wir eine deutliche Steigerung der JuLeiCa-Inhaber als Qualifikationsmerkmal erreichen, um unserem Anspruch „die Freizeitprofis“ zu sein, weiterhin gerecht zu werden. Erreichen wollen wir dies durch ein weiterhin attraktives, vielfältiges Lehrgangsangebot einerseits und Werbung hierfür andererseits. So haben wir die letzte Winterausgabe unserer Zeitschrift „Stufe“ diesem Thema gewidmet.

Verantwortung übernehmen wir jedoch nicht bloß dann, wenn wir Freizeiten oder Veranstaltungen durchführen, sondern müssen dies noch viel stärker dann tun, wenn etwas schief gegangen ist. In der Vergangenheit haben wir, gemeinsam mit der Deutschen Wanderjugend, das Konzept „Fair. Stark. Miteinander.“ entwickelt, das sich mit richtigem Verhalten, aber auch mit den Folgen falschen Verhaltens beschäftigt. Ein Abschluss unserer Entwicklung dieses Themas stellt die Ausbildung neutraler Vertrauenspersonen im November diesen Jahres gemeinsam mit dem Landesverband Nordrhein-Westfalen dar. Hier wollen wir Werkzeuge und Methoden entwickeln, wenn’s zu spät ist, als auch unsere leitenden Mitarbeiter sensibilisieren, damit es soweit nicht kommt.

Wir werden damit unserer Verantwortung unseren uns anvertrauten Teilnehmern und Aktiven gegenüber gerecht und gehen schon weit im Voraus Schritte, damit es bei uns nicht zu Mißbrauchsfällen kommt. Gerade als Jugend ist dies wichtig, diese gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und nicht von sich wegzuschieben!

Zurückblickend in die Gegenwart, vielmehr hieraus jedoch auf die Zukunft, möchte ich auf den Umbau des Jugendzentrums Fuchsfarm auf dem Raichberg bei Albstadt-Onstmettingen hinweisen. Nach Monaten des Umbaus, in denen jede Menge ehrenamtlicher wie handwerklicher Zeit und Engagement investiert wurden, konnte der Umbau in diesem Jahr nun zum Abschluss gebracht werden.

Dabei wurde die Fuchsfarm nach über 30 Jahren seit der letzten Modernisierung wieder unter energetischen, sanitären und sicherheitstechnischen Aspekten generalüberholt, so dass sich Teilnehmer, Gäste und Aktive stets wohlfühlen. Damit kann die Fuchsfarm auch für die nächsten 30 Jahre unser Ort für Freizeiten, Lehrgänge und Veranstaltungen, für das FuchsFarmFestival, Jugendbeiratswahlen und unsere größten Zeltlager sein.

Feiern wollen wir die Wiedereröffnung während unseres FuchsFarmFestivals unter dem Motto „Bei uns hat es geklappt – FuFaFe 21“.

In diesem Sinne – bei uns hat es geklappt – beende ich meinen Bericht von der Schwäbischen Albvereinsjugend, nicht jedoch ohne mich vorher bedankt zu haben.

Zunächst möchte ich mich bei Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit während meiner Ausführungen bedanken.

Vor allem bedanken möchte ich mich in diesem Jahr, neben allen ehrenamtlich Aktiven, die uns nicht nur ein schönes Landesfest bescheren, sondern die, gleich in welcher Funktion ob als Jugendleiter, Gaujugendwart, Freizeitleiter- oder Mitarbeiter unseren Verein zu dem machen, was er nach 125 Jahren immer noch ist – ein buntes Abbild der Gesellschaft unseres Landes, unserer Kultur und Heimat, bei all denjenigen, die unglaublich viel Zeit, Arbeit, Nerven und Kraft in die Modernisierung der Fuchsfarm investiert haben. Das Feuer, das in uns brennt und uns antreibt, hat sich sehr deutlich auch in den Leistungen die hier vollbracht wurden gezeigt! Ihnen allen gilt daher mein Dank zu dieser Leistung!

Auch bedanken möchte ich mich, vor allem nach den gestern durchgeführten Wahlen in Vorstand und Präsidium bei Ihnen, Herr Dr. Rauchfuß, sowie dem gesamten Vorstand für das mir entgegengebrachte Vertrauen, die Zusammenarbeit und die jederzeitige Unterstützung in allen Bereichen meiner Arbeit, sei es rund um die Geschäftsstelle oder insbesondere die Modernisierung der Fuchsfarm. Ohne Ihre Bereitschaft zur Durchführung und Ihr finanzielles Engagement, wäre eine solche Modernisierung nicht möglich gewesen.

Uns allen wünsche ich ein schönes Landesfest in Plochingen an dieser historischen Stelle.